Juli 2004
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Warnhinweis bei RISPERDAL
 

März 2004: "Brandbrief" Warnhinweis bei RISPERDAL durch den Hersteller: Pharmafirma Janssen-Cilag GmbH - Wirkstoff: Risperidon
 
In einem "Brandbrief" an die Ärzte gibt der Hersteller Cilag-Janssen Warnhinweise und ergänzt "Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung bei älteren Menschen mit Demenz":
 
Darin heißt es:
"In plazebo-Kontrollierten Studien bei älteren Patienten mit Demenz war die Inzidenz von zerebrovaskulären Ereignissen einschließlich Insult (auch mit Todesfolge) und transistorischen ischämischen Attacken (TIA) bei den mit RISPERDAL behandelten Patienten signifikant höher als im Vergleich zu den Patienten, die Plazebo erhielten (mittleres Alter 85 Jahre; Altersspanne 73-97 Jahre).
 
Weiter heißt es: "Vom behandenden Arzt sind die Patienten bzw. deren Betreuer darauf hinzuweisen, dass sie Anzeichen von Erschlaffung, Taubheit im Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- und Sehstörungen unverzüglich berichten sollen. Ohne Verzug sind alle Behandlungsmöglichkeiten einschließlich Abbruch der Therapie abzuwägen".

 
 
Kommentar:

Was soll und kann ein Demenz-Erkrankter mit einer Information durch den behandelnden Arzt denn anfangen? Nichts! Und wie soll ein medizischer Laie, zum Beispiel ein Berufsbetreuer, auf eine Information durch den Arzt reagieren?
 
Seit wann sind die kardio-vaskuläre oder Hirngefäß- Risiken mit Todesfällen bekannt? Wieso wurde und wird das Mittel angesichts der beschriebenen Risiken nicht sofort vom Markt genommen oder für Demenzkranke "gesperrt", also die Zulassung für diesen Personenkreis vom Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte und der Arzneimittelkommission zurückgenommen? Wieso nimmt der Hersteller das Medikament nicht (zur Anwendung bei Demenzkranken) vom Markt?
Jeder Automobilhersteller ruft, zeigen sich Mängel an Fahrzeugen oder Risiken beim Betrieb, in Rückrufaktionen oft große Stückzahlen in die Werkstätten zurück.
Bei Demenzkranken mit den bekannten Defiziten bei den kognitiven Fähigkeiten, zumal wenn sie an den "Risiken oder Nebenwirkungen" eines Medikaments verstorben sind, sind solche Rückrufaktionen schlechthin nicht möglich.

Dann muß aber ein Hersteller ein Medikament - auch im Hinblick auf das Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz) - zumindest sofort vom Markt nehmen und dies der betroffenen Öffentlichkeit mitteilen, damit vorhandene Medikamentenbestände nicht mehr, oder nur noch unter strenger ärztlicher Aufsicht und Beobachtung möglicher Nebenwirkungen, eingenommen werden. Fragen über Fragen!
 
Im Geriatriejournal 10/02 schreibt Professor Dr. Dieter Hirsch, Leitender Abteilungsarzt in Bonn über RISPERIDON:
"Die Anforderungen an eine rationale Therapie nicht-kognitiver Symptome erfüllt insbesondere Risperidon, da seine Wirksamkeit und Verträglichkeit gut dokumentiert sind, und es in Deutschland als einziges Medikament für die Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten und psychotischen Symptomen bei Demenzerkrankungen zugelassen ist".
Weiter heißt es dort: "Risperidon ist als einziges in dieser Indikation zugelassen und wurde bereits im ersten Konsensus-Treffen als ein Mittel der ersten Wahl empfohlen".

Risperdal gehört zu den sog. Atypika, den Neuroleptika der neueren Generation. Neuroleptika wurde ursprünglich gegen endogene Psychosen, also Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis, erfunden. und werden seit Jahren massenhaft bei Verhaltensauffälligkeiten bei Demenzkranken (die in der Regel nicht schizophren sind) eingesetzt. Ist diese symptombezogene medikamentöse Threapie rechtlich überhaupt zulässig, muß doch jeder Arzt streng diagnosebezogen behandeln, und wird ein Demenz-Erkrankter doch in der Regel nicht, erst Recht nicht gründlich, auf das Vorliegen einer endogenen Psychose untersucht, wenn er/sie depressiv oder gar aggressiv erscheint, fragt sich der Laie.

In einem Sonderblatt "Aktionswoche Altern in Würde" der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände - ABDA - , in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und psychotherapie e.V. (deren Vorsitzender Professor Hirsch war), der "Initative Altern in Würde" sowie der Pharma- Firma Janssen-Cilag GmbH im Jahr 2003 heißt es::

" Die Demenz und die Verhaltensstörungen

Die Verhaltensstörungen können in jeder Phase der Krankheit günstig beeinflußt werden. Dies ist um so wichtiger, da besonders das veränderte Verhalten den Betroffenen in seiner Alltagskompetenz enorm einschränkt und nicht selten zur Heimeinweisung führt. In erster Linie setzen Ärzte dabei neuere Medikamente, so genannte Atypika ein...... Diese sorgen dafür, dass sich die Stoffwechselvorgänge im Gehirn wieder normalisieren. Die neuen Medikamente haben den Vorteil, dass sie sehr wirkungsvoll und gut verträglich sind. Am besten eignen sich Atypika, weil sie nicht müde machen und gleichzeitig die Selbstständigkeit der Patienten erhalten".

Man muß sich nicht nur fragen, ob der Apothekerverband derart direkt Werbung für bestimmte Wirkstoffgruppen betreiben darf, und ob die undifferenzierte Lobpreisung der Neuroleptika (Atypika), ohne jegliche Hinweise auf Risiken und Nebenwirkungen, die ja man laut Werbung bei den Apotheken regelmäßig abfragen darf, überhaupt zulässig und nicht gar rechtswidrig ist?

Es wird höchste Zeit, daß alle Ärzte, die Alzheimer-Patienten oder andere an einer Demenz Erkrankte behandeln, gründlichst in Fortbildungskursen über die hohen Risiken beim Einsatz von Wirkstoffen, die für die Behandlung von Schizophrenien, bipolare Störungen (zum Beispiel manischen Depressionen), aber nicht für hirnorgansiche Erkrankungen wie z.B. Alzheimer geschaffen wurden, aufgeklärt werden.

Wir sind uneingeschränkt der Auffassung, daß man den psychosozialen Folgen der Krankheit, also den psychischen Folgen des Umgangs des Erkrankten mit seiner Krankheit, bzw. des Umgangs der Umgebung, dem sozialen Umfeld, mit dem Erkrankten und seiner Krankheit vorrangig mit Verständnis, bezugsvoller Betreuung und Respekt und Rücksicht, in Heimen zusätzlich mit biografiebezogener Beschäftigung, abhelfen kann, und nicht mit Medikamenten, die lediglich die Verhaltensauffälligkeiten eindämmen, dabei aber erhebliche Nebenwirkungen und Risiken in sich bergen können, wie nunmehr bei Risperdal vom Hersteller attestiert wird.
 

[siehe auch Medizin]