November 2002
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
NAVIGATION
 
F o r s c h u n g s m e l d u n g e n
 
  Vorbemerkung:

Wir möchten mit dieser Kolumne Forschungsergebnisse wiedergeben, über die die Medien berichtet haben, sei es hier in Deutschland, sei es international.
Unsere Berichterstattung ist neutral und unkommentiert; wir dürfen und wollen keine unbegründbaren Hoffnungen wecken, wollen jedoch unsere Mitglieder auf dem "Laufenden" halten, auch damit die Leserin/der Leser die Schwerpunkte in der neurologischen, pharmakologischen, genetischen und therapeutischen Forschung erkennen kann. Manche Meldung enthält zudem auch Informationen zur Krankheit und deren Ursachen, und hilft vielleicht, sie besser zu verstehen und/oder mit ihr umzugehen zu können. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Meldungen können wir natürlich ebenso wenig eine Gewähr übernehmen, wie für die Richtigkeit es Forschungsansatzes oder der Quellenangaben in den Berichten.

   
Jahr 2002 Forschungsmeldungen 2002
   
12.01.2002 Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet über einen Wirkstoff "Galantamin" der österreichischen Pharmafirma Sanochemia.; der Wirkstoff soll "den Mangel jener Botenstoffe, die für ein funktionierendes Gedächtnis wichtig sind", verhindern. Der Wirkstoff müsse auch "wild wachsenden kaukasischen Schneeglöckchen extrahiert werden", was sehr teuer sei
12.02.2002 "Die Welt" berichtet über Untersuchungen von Forschern der Universität von Minnesota und des Paul Flechsig Instituts für Hirnforschung in Leipzig. "Im menschlichen Gehirn führt die Alzheimer Krankheit zu entzündlichen Prozessen". Dazu haben die Forscher "transgene Mäuse mit einem Abschnitt des menschlichen Alzheimer-Gens gezüchtet. Bei ein- bis eineinhalb Jahre alten Tieren fanden die Forscher zahlreiche Eiweißablagerungen, so genannte neurofibrilläre Plaques, die von weißen Nervenzellen umlagert sind. Letztere geben entzündungsfördernde Substanzen wie das Interleukin-1-Beta ab. Die Forscher wollen Substanzen suchen, die den Entzündungsverlauf beeinflussen".
23.02.2002 Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet über ein Medikament gegen diabetes bedingte Nervenschäden, welches "künftig zur Behandlung der Alzheimerschen Krankheit eingesetzt werden soll". Der Biochemiker Gerald Münch vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung Leipzig und der Geriater Klaus Hager in Hannover hätten erstmals die Wirkung der so genannten Thioctsäure untersucht. Die Thioctsäure sei ein molekularer Abfangjäger, der die schädlichen freien Radikale, die die um die Plaques liegenden gesunden Gehirnzellen attackieren, angreift.
16.05.2002 FOCUS Online meldet unter Berufung auf eine Meldung der dpa und einen Bericht einer internationalen Forschergruppe in einer Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "Nature":

Eine Gruppe um Mark Pepys von der Royal Free and University College Medical School in London sei auf eine Substanz gestoßen, die das Eiweiß Serum-Amyloid P (SAP), das physiologischerweise im ganzen Körper vorkomme, binde. Der gebildete Komplex werde dann in der Leber abgebaut.
Die Wissenschaftler hätten bei Versuchsmäusen beobachtet, dass mit der Reduktion von SAP auch gleichzeitig die krankmachenden Eiweiß-Klumpen schrumpften. Vermutlich würden die Amyloid-Plaques ohne das SAP nicht mehr gegen die Zerstörung durch den Organismus geschützt. Auch erste Tests an Menschen ließen auf weitere Erfolge hoffen, die Versuche zeigten einen völlig neuen Weg zur Bekämpfung von Ablagerungskrankheiten wie Demenzerkrankungen auf. Der neue Wirkstoff sei aber von einer Anwendung bei Patienten noch weit entfernt

04.06.2002

In der Süddeutschen Zeitung vom 04.06.2002 wird über Erkenntnisse von Biochemikern zu "molekularen Scheren" berichtet, die in der Zelle die Amyloid-Klumpen "ausschneiden"; diese Amyloid- (Eiweiß-) Verklumpungen lagern sich in bestimmten Gehirnregionen ab und verursachen das Absterben von Gehirn- Nervenzellen und damit den Verlust von Funktionen des Gehirns.

Nach Erkenntnissen der Forscher soll ein Eiweiß mit der Bezeichnung Nicastrin die Schere daran hindern, Verklumpungen auszuschneiden (aufzulösen); nach ihren Feststellungen bei Zellkulturen soll die Produktion der Verklumpungen zum Erliegen kommen, wenn man das Nicastrin ausschaltet.

01.08.2002 aponet meldet unter Berufung auf eine Meldung der dpa und einen Bericht des britischen Wissenschaftsmagazins "New Scientist" Nr. 2344,S.14:
Erste Tests mit Patienten zeigten, dass der Wirkstoff Clioquinol den Krankheitsverlauf bremst. Die positiven Studienergebnisse bestärkten das Team um Ashley Bush von der Harvard-Universität in Boston in ihrer Theorie, dass Metalle bei der Alzheimerschen Erkrankung eine Rolle spielen: Clioquinol (auch Cliochinol) bindet Kupfer und Zink. Diese Metallionen verändern laut Bush normalerweise bei Alzheimer-Kranken die Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn, so dass sie die Produktion von giftigem Wasserstoffperoxyd anstoßen.. Dieses Wasserstoffperoxyd richtet laut Bush die verheerenden Schäden in Nervenzellen an. Er widerspricht damit der Meinung, dass die Plaques an sich eine Hauptrolle bei den Nervenschäden der Alzheimer-Kranken spielen.

Neben der Theorie, dass Metalle wie Kupfer, Zink und Eisen an der Entstehung der Alzheimerschen Erkrankung beteiligt sind, gäbe es auch die Annahme, dass die Krankheit etwa durch eine schleichende Aluminium-Vergiftung ausgelöst werden kann.

08.08.2002 August 2002: 8th International Conference on Alzheimer Desease and Related Disorders in Stockholm:

Forscher berichteten über die Immunisierung von Patienten mit dem Peptid Aß; Aß ist ein Peptid, das durch " proteolytische Spaltung des Amyloid-precursor-Proteins (APP) entsteht. Dieses Proteinfragment spielt wahrscheinlich eine Schlüsselrolle in der Pathogenese dieser neurodegenerativen Erkrankung und stellt in agressiver Form als Amyloid-Plaques das neuropathologische Charakteristikum der Alzheimer Krankheit dar".
Viele Studien, so berichtete Dennis Sekoe (Brigham and Womens's Hospital, Boston), wiesen darauf hin,daß der Beginn des pathogenetischen Prozesses bei der Alzheimer Krankheit durch ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und dem Abbau von Aß hervorgerufen werde.
Nachdem sich das Verfahren bei transgenen Mäusen, die Alzheimer-ähnliche Symptome aufwiesen, als wirksamer therapeutischer Ansatz herausgestellt hatte, würden die ersten Untersuchungen am Menschen eingeleitet (so Christoph Hock, Universität Zürich).

(Quelle: Deutsches Ärzteblatt-Jg.99 Heft 36 v. 06.September 2002, S. A2307)

Sept. 2002 "Mit Obst und Gemüse Alzheimer verhindern?"

In einer "Rotterdamer Studie" (Dietary intake of antioxidants and risk of Alzheimer disease.Jama 287 (2002) 3223-3229") wurden seit 1990 5395 Teilnehmer untersucht/fortlaufend befragt. Es wird berichtet, daß bei 197 Studienteilnehmern eine Demenz auftrat, davon 146 Alzheimer, und sich eine hohe Zufuhr an Vitamin C und Vitamin E als schützend erwiesen habe bzw. das Risiko einer Erkrankung an Alzheimer verminderte.

Bei der Untersuchung von Rauchern "war der protektive Effekt von Betakarotin mit 35 % und von Flavonoiden mit 42 % Risikominderung sogar noch ausgeprägter", so M.J. Engelhart et al vom Department of Epidemiology and Biostatistik, Erasmus Medical Center, Rotterdam,NL. H.S. Füßl kommentierte, es sei im Rahmen einer epidemiologischen Untersuchung nicht möglich, die Frage zu beantworten, ob diese Vitaminzufuhr ursächlich für die Risikominderung sei, "oder ob sie es sich um "eine durch weitere Faktoren vermittelte Assoziation Handelt".
Das Ernährungsverhalten und die Zufuhr von Antioxidanzien scheint nach der Studie das Risiko einer Erkrankung zu vermindern.

(Quelle: MMW-Fortschritt der. Medizin Nr. 38/2002 (144 Jahrgang,) Seite 23)

25.10.2002 (ddp) Bostoner Hirnforscher Dennis Selkoe und sein Team hätten die Gehirne Verstorbener untersucht. Alzheimer im Frühstadium träfe lediglich feine Strukturen in bestmmten Gehirnregionen. Die Wissenschaftler fanden typische Veränderungen im so genannten Hippocampus, einem Areal hinter den Schläfenlappen des Hirns.Es gilt als Organisator des Gedächtnisses.
Außerdem fanden die Forscher Auffälligkeiten in der Stirnregion, in der sich ein Mensch wichtige Eindrücke seines Lebens merkt und bewertet.
Im Frühstadium gingen jedoch nicht- wie Forscher bisher annahmen - ganze Verbindungen von Zellen auseinander. Jede Hirnzelle steht mit tausenden anderer Zellen in Kontakt. Diese Kontakte bestimmten die Inhalte des Gedächtnisses und die Art und Weise, mit der ein Mensch Erfahrungen verarbeitet.

Bei Alzheimer seien zunächst viele grundlegende Gehirnfunktionen nicht beeinträchtigt. So gäbe es etwa keine Auffälligkeiten in den Bewegungsabläufen der Betroffenen. Nur das Gedächtnis für weniger wichtige Dinge scheine nicht mehr zu funktionieren. Erst im weiteren Verlauf der Krankheit gingen dann auch Hirnzellen zugrnde.
Mit ihrer Entdeckung könnten die Forscher nun die frühesten Symptome der Krankheit besser erklären, schreiben die Forscher.

26.10.2002 Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet über neue Forschungsergebnisse von der Duke University in North Carolina, USA. "Leichte Schlaganfälle verschlimmern Alzheimer". US-Forscher hätten einen möglichen Weg gefunden, auf dem die Körperabwehr ihre Angriffe gegen Gehirnzellen starte. "Danach kann schon der Sauerstoffmangel durch einen leichten Schlaganfall Auslöser sein, oder winzige Verletzungen durch einen Stoß gegen den Kopf".
Als "Vermittler" zwischen Verletzungen und Immunattacke hat sich ein Glutamat entpuppt. Die Subsanz sei bekannt als Geschmacksverstärker in Lebensmitteln. Sie sei aber als Botenstoff auch wichtig für die Funktionsfähigkeit des Nervensystems.

"Wie sich zeigte vermittelt Glutamat diesen Prozeß. Leichte Verletzungen und Sauerstoffmangel führen zu einer erhöhten Ausschüttung an Glutamat.In erhöhter Konzentraton wiederum sensibilisiere Glutamat die Hirnzellen für Attacken des Immunsystem- sie verlieren ihre Fähigkeit, sich abzuschotten. So werde der Weg für weitere Hirnschädigungen geebnet", so die Forscher um Zhi-Qi Xong und James McNamara.

Bestimmte Proteine des Immunsystems bauten im Gehirn Ablagerungen ab, wie sie bei Alzheimer vorkommen (Plaques). Dieser Schutzeffekt könne jedoch in einen schädigenden "umkippen". Die Immunproteine richteten sich dann nicht mehr allein gegen die Plaques, sondern gegen die Nervenzellen.
(Quelle: "Die Welt, Samstag, 26. Oktober 2002, Berlin)

13.11. 2002 (Die Welt) Joachim Czichos berichtet über Forschungsergebnisse von Mitarbeitern der Universität von Texas in Galveston (Professor Ping Wu und Kollegen): um Gehirnzellen zu ersetzen, die durch Verletzung oder Krankheit abgestorben sind, versuchen Forscher Stammzellen in die betroffene Hirnregion zu verpflanzen. Nur wenige entwickelten sich zu funktionstüchtigen Nervenzellen, den sogenannten Neuronen.
Durch eine spezielle Vorbehandlung sei es Professor Ping Wu und seinen Mitarbeitern gelungen, die Stammzellen so zu beeinflussen, daß sie sich nach der Transplantation nahezu vollständig in Neuronen umwandeln....Der größte Teil der bislang in Versuchen übertragenen Stammzellen wandelten sich nur in Zellen um, die keine signalübertragende Funktion haben.
Damit, hofft Wu, sei die Behandlung von Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson wieder ein Schritt näher gerückt. In weiteren Versuchen wollten die Forscher nun die Funktionsfähigkeit der neu gebildten Neuronen überprüfen. So sei geplant, die vorbehandelten Stammzellen Ratten zu injizieren, die an einer Rückenmarkverletzung leiden. Bis zu einer möglichen Anwendung der Stammzellentherapie beim Menschen sei es noch ein langerWeg.Vor allem müsse ausgeschlossen sein, daß die transplantierten Stammzellen nicht zu Krebs entarten können.
   
Jahr 2003 Forschungsmeldungen 2003