2005
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
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F o r s c h u n g s m e l d u n g e n
 
 Vorbemerkung:

Wir möchten mit dieser Kolumne Forschungsergebnisse wiedergeben, über die die Medien berichtet haben, sei es hier in Deutschland, sei es international.
Unsere Berichterstattung ist neutral und unkommentiert; wir dürfen und wollen keine unbegründbaren Hoffnungen wecken, wollen jedoch unsere Mitglieder auf dem "Laufenden" halten, auch damit die Leserin/der Leser die Schwerpunkte in der neurologischen, pharmakologischen, genetischen und therapeutischen Forschung erkennen kann. Manche Meldung enthält zudem auch Informationen zur Krankheit und deren Ursachen, und hilft vielleicht, sie besser zu verstehen und/oder mit ihr umzugehen zu können. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Meldungen können wir natürlich ebenso wenig eine Gewähr übernehmen, wie für die Richtigkeit es Forschungsansatzes oder der Quellenangaben in den Berichten.

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30.10.2006 Alzheimer: Frühe Alzheimer-Diagnose durch Kombination von Tests

Das Leiden lässt sich besser hinauszögern. Eiweiße im Rückenmark, Kernspintomografie sowie Gedächtnisprüfung geben wichtige Hinweise.

Von Angelika Friedl

Erlangen -

"Eigenartige Veränderungen in der Hirnrinde" erkannte der Arzt Alois Alzheimer, als er vor genau 100 Jahren das Gehirn seiner Patientin Auguste Deter sezierte, die geistig völlig verwirrt gestorben war. Die Krankheit, die später nach dem Mediziner benannt wurde, geriet zunächst in Vergessenheit, weil sie nur selten erkannt wurde. Doch heute ist klar: Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind an
einer Demenz erkrankt, mehr als die Hälfte davon an der Unterform Alzheimer.

Und die Hochrechnungen sind alarmierend: Im Jahre 2050 soll der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung auf knapp 30 Prozent steigen. Dann werden auch die degenerativen Alterskrankheiten, vor allem die Demenz, drastisch zunehmen.

Wichtig für die Patienten - und angesichts des zu erwartenden Ausmaßes an Erkrankungen auch wichtig für das Gesundheitssystem - ist eine rasche und treffsichere Diagnose. Dann sind die Chancen, den fortschreitenden geistigen Verfall zumindest aufzuhalten, größer, als wenn das Leiden erst spät erkannt wird.

"Erfahrene Zentren können mittelschwere bis schwere Formen der Alzheimer-Demenz mit einer Sicherheit von mindestens 85 Prozent feststellen, wenn sie die bisher übliche Routinediagnostik verwenden", urteilt Professor Jens Wiltfang, Leiter der Abteilung Molekulare Neurobiologie an der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik
der Universität Nürnberg-Erlangen.

Bei frühen Stadien der Krankheit schwindet allerdings die Sicherheit. "Hier können neuere Verfahren der Diagnostik im Nervenwasser der Patienten sehr hilfreich sein", meint Wiltfang, der Mitglied im "Deutschen Kompetenznetz Demenzen" ist. In dieser neurochemischen
Diagnostik geben veränderte Konzentrationen bestimmter Eiweiße (Proteine) im Nervenwasser (Liquor) wichtige Hinweise. Als neurochemische Marker dienen die sogenannten Tauproteine und Beta-Amyloidpeptide. "Typisch ist, dass die Werte für Tau-Proteine steigen, während die Beta-Amyloidpeptid-Werte abfallen", sagt Wiltfang. Die Eiweißstoffe werden durch eine Entnahme von Liquor aus
der unteren Lendenwirbelsäule gewonnen (Lumbalpunktion).

Mit dieser Methode kann man frühe Demenzstadien relativ zuverlässig bestimmen, eine drohende Alzheimer-Demenz lässt sich damit schon vier bis sechs Jahre vor Ausbruch der Krankheit vorhersagen. Vergleichbare neurochemische Demenz-Marker wird es, ist Wiltfang überzeugt, bald
auch für andere Demenzerkrankungen geben. Dazu gehören die Lewy-Körperchen-Demenz und die Frontotemporale Demenz. Diese Formen sind zwar weniger bekannt, machen aber einen wesentlichen Anteil an den Demenzerkrankungen aus.

Verräterische Spuren einer Demenz findet aber auch die genaue Befragung der Angehörigen oder zeigen körperliche Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren. Mit hochauflösenden Aufnahmen der
Kernspintomografie kann man einen beginnenden Verlust von Hirnsubstanz früh sichtbar machen - wenngleich viele Patienten in Frühstadien der Alzheimer-Demenz unauffällige Kernspin-Befunde haben. Kernspintomografie sowie Computertomografie helfen aber, Tumore und andere Hirnerkrankungen wie Infarkte auszuschließen oder aber nachzuweisen. Auch Durchblutungsstörungen im Gehirn können so aufgespürt werden, die möglicherweise ebenfalls zu Demenz führen.

Schließlich können Neurologen zur Diagnose den Glucoseumsatz im Gehirn messen, der bereits in der Frühphase einer Alzheimer-Erkrankung
reduziert ist. Dies wird aber eher zurückhaltend genutzt - viele
Krankenhäuser scheuen die relativ hohen Personal- und Gerätekosten dieses nuklearmedizinischen Verfahrens.

Zu einer umfassenden Diagnostik gehören zudem neuropsychologische Tests wie der Syndrom-Kurz-Test und der weltweit angewandte Mini-Mental-Status-Test. Er prüft Orientierung, Aufmerksamkeit, Erinnerungs- und Sprachfähigkeit, gibt dem Mediziner aber keine genaue Auskunft über die Art der Demenz. Bekannt ist auch der Uhrentest, bei dem die Patienten die fehlenden Ziffern einer Uhr nachzeichnen müssen. "Außerdem sollte durch Tests das Ausmaß einer eventuell vorliegenden Depression beurteilt werden. So können Gedächtnisstörungen einer Altersdepression von der Frühform einer Demenz unterschieden werden",
rät Wiltfang.

Jeder vergisst mal, wo er das Auto geparkt oder die Uhr hingelegt hat. Leichte kognitive Störungen, wie Experten diese Vergesslichkeit nennen, sind normal und nicht weiter bedenklich. Demenzkranke verlernen aber mit der Zeit, sich in ihrem Alltag zu orientieren. Sie wissen also unter Umständen gar nicht mehr, dass sie überhaupt ein Auto besitzen. Möglichst früh, schon bevor solche Situationen
auftreten, sollten Angehörige daher zusammen mit den Kranken eine Gedächtnisambulanz oder einen Facharzt aufsuchen.

Artikel erschienen am 30.10.2006

03.11.2006Medizin "Die eine Pille gegen Alzheimer wird es nie geben"

Die Alzheimer-Forschung ist 100 Jahre alt. Gibt es da noch
Überraschungen, wenn Wissenschaftler tagen? Ein Interview

Von Heike Le Ker

DIE WELT: Die Alzheimer-Forschung ist heute 100 Jahre alt. Erwarten Sie überhaupt noch Überraschungen von Ihren Kollegen, mit denen Sie in Tübingen tagen?

Konrad Beyreuther: Vielleicht keine Überraschungen
aber klare Aussagen. Dass wir einen großen Fehler gemacht haben etwa. Wir haben den Menschen nicht klargemacht, dass wir einen Patienten mit fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung nicht heilen können. Die eine Tablette, die den Befreiungsschlag bringt, wird es nie geben.

WELT: Warum nicht? Überall auf der Welt forschen die Wissenschaftler.

Beyreuther: Ein leeres Gehirn ist nicht therapierbar. Es gibt nichts mehr, worauf wir dort aufbauen können. Deshalb müssen wir die Menschen schon früh behandeln.

WELT: Im frühen Stadium gibt es aber keine
Symptome. Wie können Ärzte denn zukünftige Alzheimer-Patienten erkennen?

Beyreuther: Es gibt ein fein abgestimmtes
Frage/Antwort-Spiel, den sogenannten Mini-Mental-Status-Test. Damit kann man sehr frühe Formen entdecken. 75 Prozent dieser Patienten entwickeln nach fünf Jahren Alzheimer.

WELT: Und das reicht als Diagnostik? Beyreuther: Nein, eine riesige Rolle spielen Labortests und Bildgebung. Wissenschaftler haben Substanzen entwickelt, mit denen
sie die typischen Alzheimer-Ablagerungen, die sogenannten Amyloide, nachweisen können. Man spritzt den Patienten eine radioaktive Substanz in die Blutbahn, die die Ablagerungen im Gehirn anfärbt.

WELT: Was entdecken Labortests?

Beyreuther: Sie messen Amyloide. Wir haben einen Mikrotest entwickelt, der das Verhältnis der langen und kurzen Form
dieser Abeta-Proteine im Nervenwasser untersucht. Die langen Arme lagern sich im Gegensatz zu den kurzen im Gehirn ab, daher ist das Verhältnis bei Alzheimer-Patienten verändert. Der Test fischt fast alle Patienten heraus, trifft aber zu acht Prozent falsch positive Aussagen. Auch Bluttests können das schon.

WELT: Wenn es noch keine Symptome gibt, wer wird untersucht? Beyreuther: Das Risiko für Alzheimer steigt im Alter. Deswegen kann man schon ab 60 anfangen,
sich untersuchen zu lassen. Wichtig wird es ab dem 80. Lebensjahr.

WELT: Was bringt Früherkennung ohne Therapie? Verlängert das Wissen nicht das Leiden?

Beyreuther: Nein im Gegenteil. Eine Reihe von
Studien hat gezeigt, dass wir nur dann erfolgreich sind, wenn wir früh eingreifen. Die milde Form von Alzheimer können wir in Zukunft aufhalten.

WELT: Womit?

Beyreuther: Eine Arbeit aus Schweden hat jetzt
zum Beispiel gezeigt, dass Fischöl hilft. Von 150 Patienten waren 30 in der sehr frühen Phase, und sie profitierten von großen Mengen Omega-3-Fettsäuren.

WELT: Ernährung spielt also eine wichtige Rolle?

Beyreuther: Neben Bewegung und Neugierde - ja. Deutlich helfen kann die mediterrane Kost, also viel Obst und Gemüse, pflanzliche Öle, Rotwein, möglichst wenig Fleisch und nicht mehr als ein Liter fettarme Milch am Tag. Wer sich daran hält, hat ein viel geringeres Risiko zu erkranken. Das zeigen auch Tierversuche: Rotwein, Curry, Fischöl, Bewegung und weniger Stress können vor Ablagerungen schützen und den
Krankheitsprozess hinauszögern.

WELT: Inwiefern helfen Bewegung und Neugier?

Beyreuther: An einer berühmten Bewegungsstudie nahmen
Patienten mit der Frühform von Alzheimer teil. Sie haben sich nur dreimal pro Woche 15 Minuten bewegt und waren viel besser dran als die Couchpotatoes. Auch Sudoku, Kreuzworträtsel oder Museumsbesuche können
fit halten. Der geistige Anreiz entscheidet.

WELT: Beugen Sie selbst vor? Beyreuther: Seitdem wir 1987 das Vorläufergen von Amyloid entdeckt haben, nehme ich hohe Dosen Vitamin C und E. Ich glaube, der
Entzündungsprozess lässt sich dadurch reduzieren. Ich ernähre mich bewusst mit viel Obst und Gemüse und wenig rotem Fleisch. Seit ich 60 bin, nehme ich Fischöl-Kapseln mit der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure, kurz DHA.

WELT: Und wenn Alzheimer doch ausbricht, gibt es keine Hilfe?

Beyreuther: Wir erwarten in den nächsten Jahren
neue Mittel, aber sicher wird man sie kombinieren müssen. Dazu gehören nach meiner Meinung Cholesterinsenker, die Statine, die offenbar wirken. Dann sind Entzündungshemmer in der klinischen Erprobung und Heparin-ähnliche Substanzen, die eine Verklumpung von Abeta im Blut verhindern sollen. Außerdem suchen Forscher nach Mitteln, die die
Produktion von Abeta hemmen.

WELT: Wie soll das funktionieren?

Beyreuther: Es gibt Enzyme, die Amyloid aus seinem Vorläuferprotein herausschneiden. Wenn man diese Scherenenzyme hemmt, entstehen weniger
von den gefährlichen Abetaschnipseln.

WELT: Hoffen Sie auf eine Impfung? Beyreuther: Das ist eine Möglichkeit, aber sicher kein Allheilmittel. Bei bisherigen Studien haben nur 20 Prozent der geimpften Abwehrkörper entwickelt, und es gab schwere Probleme wie
Hirnhautentzündungen oder Blutungen.

WELT: Es bleibt also nur, die Krankheit zu akzeptieren?

Beyreuther: Bei schweren Verläufen ist das
eine wichtige Aufgabe. Auch deswegen ist eine frühe Diagnose wichtig. Wenn man nicht Bescheid weiß, fühlt man sich permanent beklaut, findet sein Auto nicht, hält Termine nicht ein - und weiß noch nicht mal, warum. Deswegen sind Menschen, die mit den Betroffenen krankheitsgerecht und liebevoll umgehen, so wichtig.

WELT: Tatsächlich ist die Krankheit heute aber noch immer ein Stigma. Beyreuther: Ein großer Fehler: Die Menschen werden als blöde angesehen, dabei sind sie krank. Das muss die Gesellschaft lernen. Es ist falsch, sie auszugrenzen, denn Isolation ist für sie das Schlimmste. Sie brauchen
viel Stimulation, um ihr Gehirn am Leben zu erhalten. WELT: Die Verantwortung gibt man damit an andere ab. Beyreuther: Ab einem gewissen Stadium geht das auch nicht anders. Aber vorher ist jeder selbst für seine Gesundheit verantwortlich, der Arzt kann ihm nur helfen. Nicht unsere Gene kontrollieren uns, wir kontrollieren die Gene - diese gute Nachricht sollte jeder beherzigen.


Professor Konrad Bayreuther arbeitet am Zentrum für Molekulare Biologie in Heidelberg. Das Gespräch führte Heike Le Ker

Artikel erschienen am 03.11.2006 "Die Welt"

12.10.2006 Grüner Tee gegen Chorea Huntington

Huntington, Alzheimer, Parkinson: Als Ursache all dieser neurodegenerativen Erkrankungen gelten falsch gefaltete Proteine. Wie diese Proteine jedoch im Gehirn zum Absterben von Nervenzellen führen, ist im Detail noch nicht geklärt.

Von Walter Willems

Frankfurt/Main - Warum Huntington in Deutschland Veitstanz heißt, erklären die Symptome: heftige, unkontrollierte Bewegungen, torkelnder Gang und auffällige Grimassen. Der wissenschaftliche Name Chorea Huntington geht auf den amerikanischen Arzt George Huntington zurück, der die Symptome 1872 erstmals beschrieb; Chorea steht im Altgriechischen für den Begriff Tanz.

Die genetisch bedingte Erkrankung, an der in Deutschland etwa 8000 Menschen leiden, ist nicht heilbar. Erbt ein Kind ein mutiertes Huntington-Gen von einem Elternteil, bricht die Krankheit meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr aus. Zehn bis 30 Jahre nach Ausbruch führt Chorea Huntington zum Tod.

Schon seit Jahren erforschen Wissenschaftler weltweit die Mechanismen, die zu den Schädigungen der Nervenzellen führen. 1993 entdeckten sie das Gen, das für das Protein Huntingtin verantwortlich ist, das die Krankheit auslöst. 1997 gelang der Nachweis, dass die Ablagerungen im Zellkern aus fehlgefalteten Huntingtin-Molekülen bestehen.

Die Nervenzelle wird vergiftet

Vermutlich behindert das angereicherte Huntingtin den Stoffwechsel, und die Zelle wird vergiftet. Allerdings haben die Nervenzellen zwei Schutzprogramme gegen Schäden durch Ablagerungen, wie der Biologe Ron Kopito von der kalifornischen Stanford-Universität vor Kurzem bei einem Kongress in Berlin erläuterte.

So ist das sogenannte Ubiquitin-Proteasom-System für die Qualitätskontrolle von Proteinen zuständig: Es sortiert defekte Proteine aus und zerstört sie. Versagt dieses System, so tritt als zweites Schutzsystem die sogenannte Autophagie, das Selbstfressen, auf den Plan.

"Nach unseren bisher gewonnenen Daten gehen wir davon aus, dass das Ubiquitin-Proteasom-System die defekten Proteine zerstört, bevor sie sich verklumpen und die Zellen schädigen", sagte Kopito. "In einigen Fällen jedoch entwischen die defekten Proteine dieser Überwachung.

Tierversuche in Kanada erfolgreich

Mit dem zweiten System, der Autophagie, wehren sich die Nervenzellen gegen die Vergiftung durch dann bereits verklumpte Formen der defekten Proteine." Die Autophagie greift allerdings dann nicht, wenn sich defekte Proteine im Zellkern befinden - wie bei Huntington.

Die Wissenschaftler hatten vor Jahren entdeckt, dass das Protein Huntingtin von molekularen Scheren zerkleinert wird. Offenbar spielt die Spaltung des fehlgefalteten Proteins eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Krankheit.

Die Forscher züchteten daraufhin Mäuse, die das humane Huntington-Gen tragen und das falsch gefaltete Protein produzieren. An den Tieren beobachteten sie, wie die Erkrankung fortschritt und das mutierte Huntingtin-Protein von einem bestimmten Enzym zerschnitten wurde. Verhinderten sie die Spaltung von Huntington, so zeigten die Mäuse keine Krankheitssymptome.

Grüner Tee als Schutz für Nervenzellen

Einen anderen Forschungsansatz verfolgen Experten des Max-Delbrück-Centrums. Sie entdeckten, dass grüner Tee offenbar die Entstehung der Eiweißablagerungen verringern kann. Die Wissenschaftler zeigten im Reagenzglas, dass die aus grünem Tee gewonnene Substanz Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG) die Verklumpung des Huntingtin-Proteins bremst und den Vergiftungsgrad von Zellkulturen hemmt. Außerdem besserte der Stoff bei transgenen Fliegen, die das Huntington-Gen im Erbgut tragen und die Substanz als Futter erhielten, die Beweglichkeit.

"Die Substanz könnte Grundlage für die Entwicklung einer medikamentösen Therapie gegen Chorea Huntington und ähnliche Krankheiten sein", sagte Professor Erich Wanker vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch. "Die Ursachen von Huntington, Alzheimer und Parkinson sind vergleichbar: ein falsch gefaltetes Protein."

Artikel erschienen am 12.10.2006
WELT.de 1995 - 2006
 

22.01.2005Antikörper gegen Alzheimer

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet in ihrer Ausgabe vom 22.Januar 2005 über Forschungsergebnisse von Neuro-Forschern der Washington University School of Medicine in St. Louis um Robert Brendza und David Holtzman.

Die Forscher hätten in Tierversuchen (an speziell gezüchteten Mäusen, die Symptome der Alzheimer-Krankheit entwickelt hatten), festgestellt, dass drei Tage nach der Behandlung mit Antikörpern, die sich gegen bestimmte Abschnitte des Beta-Amyloids richteten, sich Plaques auflösten. Zuvor vergrößerte angeschwollene Nervenzellen hätten wieder eine normale Form erhalten, deren Funktion etwa bei der Signalübertragung hätte sich verbessert.

Noch gäbe es keine Heilung bei dieser Demenzerkrankung (" Alzheimer-Patienten: bis 2040 2,2 bis 3 Millionen Fälle"), der Zersetzungsprozeß lasse sich nicht aufhalten. Die Wissenschaft setze große Hoffnungen auf eine Art passive Impfung mit Antikörpern gegen Peptidablagerungen im Gehirn.

Im Ergebnis würden diese Forschungserkenntnisse jetzt eine "Neuron"-Studie von Forschern um Salvatore Oddo an der Universität von Kalifornien bestätigen. Diese habe im August 2004 gezeigt, das Aß-Antikörper sowohl Amyloid-Plaques beseitigten als sich auch gegen Tau-Proteine richten, die für das Absterben von Neuronen verantwortlich seien.

08.02.2005

Bonner Forscher:
Neue Wege bei Diagnose und Behandlung
von Alzheimer - Cholesterinstoffwechsel und Alzheimer -

Der General Anzeiger Bonn berichtet in seiner Ausgabe vom 08.02.2005 über Forschungsergebnisse des Teams um den Bonner Klinischen Pharmakologen Dieter Lütjohann. Danach würden Statine (Anm.: die nach dem Lopobay-Skandal keinen guten Ruf genießen würden), die Konzentration des Proteins Beta-Amyloid in der Hirnflüssigkeit verringern.

Das Protein Beta-Amyloid hat für die Entstehung von Alzheimer entscheidende Bedeutung.
Statine würden die Konzentration von Beta-Amyloid verringern; Auch die Konzentration von 24- Hydroxycholesterin verringere sich, eines Cholesterin-Abbauprodukts.

Die Mediziner vermuteten, dass unter der Therapie mit Statinen im Gehirn weniger Cholesterin gebildet und dadurch auch weniger Cholesterin abgebaut würde. In dem gleichen Maße, in dem sich die Konzentration des Hydroxycholesterins verringert, nähme auch der Beta-Amyloidgehalt in der Hirnflüssigkeit ab.

Es spräche vieles dafür, dass der Cholesterinstoffwechsel und die Bildung von Beta-Amyloid eng zusammenhängen.
Auch die Diagnose könne einfacher werden: In der Hirnflüssigkeit (ihre Untersuchung sei vergleichsweise Routine) fände sich bereits im Anfangsstadium von Alzheimer ein deutlich erhöhter Hydroxycholesterin- Spiegel.