Oktober 2002
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
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ALZHEIMER und LEBEN
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Teil VIII: Musik/Dance Therapie

1) Musiktherapie ist eine seit vielen Jahren anerkannte Therapieform die es auch schwer erkrankten Menschen ermöglicht, sich mitzuteilen und so am Leben teilzunehmen.

Auch bei fortgeschrittener Demenz können sie dadurch "trotz" der schweren Erkrankung über "Erinnerungsspuren" wieder einen Zugang zu sich selbst und anderen bekommen. Da das Langzeitgedächtnis bei Alzheimer recht lange funktioniert, werden Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit wachgerufen, wenn Musikstücke, Lieder oder Schlager aus diesen Zeiten gespielt , gesungen oder auch nur gesummt werden.

Ausgebildete Musiktherapeuten/Innen begleiten die demenzerkrankten Bewohner in kleinen Gruppen, Natürlich muß in Tests vorher sorgfältig und einfühlsam geprüft und/oder beobachtet werden, ob einzelne Heimbewohner auch gerne an solchen Aktivitäten teilnehmen wollen. Dazu genügt oft ein Blick auf die Mimik, auf ein Lächeln oder "große Augen", die sprechen, auch wenn die richtige Sprache nicht mehr verstanden werden kann.

Auch Musik als Begleitung von tänzerischen und gymnastischen Übungen zeigt bei Demenz-Erkrankten höchst bemerkenswerte Ergebnisse!

So hat Schosuhan Hirsch in Jerusalem/Israel eine "Dance Therapy for Demential People" entwickelt, mit der in kleinerem Kreis Demenzerkrankte gemeinsam durch Musik, Tanz und tänzerische Bewegungen aktiviert, motiviert und angeregt werden. Dass die gymnastischen/tänzerischen Übungen den im Heimalltag häufig nur sitzenden Heimbewohnern gesundheitlich ausgesprochen gut tut, bedarf keines weiteren Hinweises.

Frau Hirsch hat ein Video-Band zur "Dance Therapie for Demential People" erstellt, welches sie gegen Erstattung der Kosten (Umstellung von NTSC auf PAL o.a., Porto, Gebühr) gerne zur Verfügung stellt.

Anfragen richten Sie bitte an: Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V., wir geben Ihr Interesse an Frau Hirsch weiter.

Informationen zur Musiktherapie erhalten Sie auch bei:

Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie, Libauer Straße 17, 10245 Berlin
(info@musiktherapie.de - oder: www.musiktherapie.de)

  (C) Michael G. Streicher
   
2) Musiktherapie bei Alzheimer-Erkrankten
Vortrag von Dr. Dorothea Muthesius, Musiktherapeutin, Berlin (2002)
Musiktherapie mit Alzheimer-Patienten.
Begegnungen in Vergangenheit und Gegenwart (Fussnote 1)
Dr. Dorothea Muthesius, Musiktherapeutin

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen kurzen Ausschnitt aus einem
Film (Fussnote 2) zeigen, um ihnen damit einen Einblick darin zu geben, was die Alzheimer'sche Erkrankung, bzw. Altersdemenz bedeutet.

Danach werde ich Ihnen eine Fallgeschichte erzählen, die die Potentiale der Musik für Alzheimer-Patienten deutlich macht und vor allem auf die Potentiale des Verfahrens der Gruppensingtherapie verweisen.

Aus den Erkenntnissen, die sich bei der Arbeit mit Alzheimerpatienten ergeben, werde ich auf allgemeine Fragen der Bedeutung von Musik im Lebenslauf schließen.

Der Film zeigt, wie eine alte Dame vor einem Spiegel steht und offensichtlich nicht erkennt, daß sie selbst es ist, die ihr da begegnet. Gleichzeitig juckt es sie am Rücken und sie versucht sich zu kratzen. Hinter ihr steht eine andere Dame, die diese Handlung beobachtet und ihr beim Rückenkratzen behilflich ist.

Sie erkennt sich nicht im Spiegel, weil sie in einer anderen Realität lebt. Und zwar in der ihrer Kindheit und Jugend. Nach diesem Gefühl ist sie momentan vielleicht gerade 16 Jahre alt und kann keinen Zusammenhang zwischen dem Spiegelbild der alten Dame und ihrem Gefühl der Jugendlichkeit erkennen. Daß es einem am Rücken juckt, ist aber eine Situation, die mit dem Lebensalter nur wenig zu tun hat. Alters- und generationenunabhängige, in diesem Sinne universelle soziale Situationen sind für Altersdemente noch gut erkennbar. Ebenso gut erkennbar sind Emotionen und Affekte, wenngleich sie nur noch schwer steuerbar und also auch nicht gezielt abrufbar oder aktivierbar sind.

Da kann besonders die Musik anknüpfen. Sie hat ihre Potentiale genau dort, wo Alzheimer-Patienten noch Fähigkeiten haben: im Bereich der Emotionalität und der sozialen Interaktion.

Fallbeispiel: Herr Hartmann, 90 Jahre

Fussnoten:
1
Vortrag für das Herbert von Karajan Centrum, Wien, in der Reihe Musik und Medizin (Gestaltung    Prof. K. Schumacher), Oktober 2002
2 "Abschied vom Ich", Dokumentarfilm von Sabine Lehmann, ZDF, 1997