Juli 2002
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
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ALZHEIMER und LEBEN
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Teil II: Etwas mehr Autonomie: Gärten für Alzheimer Kranke
Häufige Symptome der Alzheimer-Krankheit sind Unruhe und großes Bewegungsbedürfnis.
Geschlossene Türe, Flure oder gar Häuser hindern Erkrankte am Verlassen und zwingen sie, z.B. endlose Runden im Zimmer zu gehen oder sich gegen die Einschränkungen mit erhöhter Unruhe, gelegentlich auch mit Aggressionen, zu wehren.
Wegen des großen Personalmangels in den Pflegeheimen oder der Überforderung des für die Betreuung nicht ausgebildeten Personals ist niemand da, der mit ihnen in den Garten, einen Park oder einfach einmal raus gehen kann und sie begleitet.

 

Else Zopak, Landschaftsgärtnerin aus Münster, hat als eine der Ersten einen Garten konzipiert, der Alzheimer-Erkrankte aus dieser Gefangenschaft löst. Am Alexianer Krankenhaus in Münster gibt ihnen der Garten ein Stück Autonomie zurück.

Die Erfahrungen mit den Grünanlagen geben Anregungen für andere Anlagen und bedarfsgerechte Gärten an Krankenhäusern und Pflegeheimen, aber auch für den privaten Bereich.


Geschwungene Wege

Selbstbestimmt und ohne Begleitung können Demenz-Kranke in Münster das Haus verlassen, einfach "fortgehen". Die Tür ins Freie öffnet sich in einen fast 1.000 qm großen Garten, der sich durch die Art seiner Bepflanzung nicht auf einem Blick erfassen lässt. Das Wegesystem, das durch die Anlage führt, ist gegliedert und lässt mehrere "Gehvarianten" zu. Aber: alle Wege führen in sanften Bögen wieder zum Ausgangsort zurück; damit kein Pflasterstein den Fuß hindert und der Weg nicht vom Umfeld unterschieden werden kann, ist das Wegematerial einheitlich gehalten und hebt sich klar von dem umgebenden Grün ab.

Dadurch ist die örtliche Orientierung für die Kranken einfach. Sorgsam vermieden wurden tote Winkel, Sackgassen und Engstellen, so daß keine "erzwungene" und Angst machende Umkehr nötig ist. Sie würden den Kranken bloß irritieren und zum hilflosen Stehenbleiben veranlassen. Stattdessen öffnen sich hin und wieder Nischen, zum Teil mit Sitzgelegenheiten, in denen sich die Kranken auch einmal ungestört und unbeobachtet fühlen können.


Die Natur hilft bei der Orientierung

Grün verdeckt Außengrenzen; die erforderliche Feuerwehrzufahrt ist kaum zu erkennen; denn Türe und Tore üben eine magische Anziehungskraft auf die Kranken bei ihren unermüdlichen Versuchen, "hinaus kommen" und frei sein zu wollen, aus.
Stattdessen durchwandern sie unbegrenzten Grünraum; die Pflanzen an ihrem Weg spiegeln mit ihren Blüten, Blattfarben und Düften den Wechsel der Jahreszeit wider und machen zeitliche Orientierung möglich, auch über die vielen Arten, die den meisten Menschen von Kindheit an vertraut sind. Durch den Anblick von Krokus, Narzissen, Flieder, Kirschen, Kornblumen, Mohn, Kastanien und Äpfeln gelingt es sogar, Erinnerungen wach zu rufen. Duftpflanzen und Kräuter spielen dabei eine wichtige Rolle. Brunnen und Wasserläufe ziehen die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich und beruhigen.

Vertraut und im natürlichen Lebensrhythmus immer wieder neu und anders umgibt der Garten; er beruhigt, regt an und bietet eine natürliche Normalität, in der der Klinik- oder Heimalltag zurücktritt.

Frei zwischen Pflanzen

Der grüne Freiraum in Münster wurde als "Sinnespark" speziell auf die Bedürfnisse der Kranken zugeschnitten, damit ihre große Unruhe und der Bewegungsdrang mit Hilfe der Natur und deren Erleben beeinflusst wird.

Demenz-Kranke können, dürfen und sollen dadurch spontan und gfls. ohne Begleitung ins Freie, damit diejengen, denen die Folgen der Krankheit so viel Freiheit nehmen, auch auf diesem Weg ein wenig Freiheit zurück gewinnen können..

(C) M.P.

Quelle: CMA, Bonn
Ärztemagazin, Ausg. 1/2001 - Ein Projekt der CMA Deutschland
Autorin: Dipl. Ing. Helga Panten, Bonn

("Alzheimer und Leben" ist Teil der Verständnishilfen aus der Reihe
"Alzheimer und Hilfen"© der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.)