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Alzheimer und
Kunst - ein Widerspruch ? Vortrag
anlässlich einer Vernissage des Oeuvre des Werbegrafikers und Künstler
Carolus Horn und einer Ringvorlesung vor Studenten der Heilpädagogische
Fakultät der Universität zu Köln
Von
Michael G. Streicher, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft
Bonn e.V. Sehr
geehrte Frau Professor Wichelhaus, sehr geehrter Herr Professor Dreher, meine
Damen und Herren! Ihnen,
verehrte Frau Professor Wichelhaus, und Ihnen, Herr Professor Dreher, möchte
ich im Namen der Alzheimer Gesellschaft Bonn zunächst einmal dafür danken,
dass Sie hier in Ihrer Fakultät eine wertvolle Plattform zur Verfügung
stellen, auf der eine große Zahl Interessierter für die sorgenvolle
Situation der Demenz-Erkrankten und ihrer Angehörigen in Deutschland sensibilisiert
werden kann. Alzheimer
und Kunst: ein Widerspruch, geht doch die landläufige Meinung davon aus,
dass Alzheimer-Erkrankte in "ihrer eigenen Welt leben" und dem "Dunkeln
des Lebens entgegen gehen", wie es in einem Bericht zur Alzheimer-Erkrankung
des früheren US- Präsidenten Ronald Reagan hieß? In einer Welt,
in der es angeblich kein Erleben und nichts Schöpferisches mehr geben soll? Heilpädagogik
und die unheilbare Alzheimer-Krankheit, ebenfalls ein unüberbrückbarer
Widerspruch, dient doch die heilpädagogische Rehabilitation als besondere
Erziehungswissenschaft in erster Linie der gesundheitlichen Rehabilitation, der
Heilung von Körper und Geist und der Wiederherstellung von deren Einklang? Wir
werden sehen.
1. Lassen
Sie mich, meine Damen und Herren, ein wenig in die Vergangenheit zurückschauen,
um dieser tragischen Krankheit den ihr gebührenden Stellenwert in der Tragik
menschlichen, gesellschaftlichen und individuellen Lebens zu geben; ich bitte
um Nachsicht dafür, dass ich dies aus zeitlichen Gründen nur verkürzt
und sozusagen "kompakt" versuchen kann: In
früheren Zeiten wurden geistig verwirrte Menschen in städtischen Strukturen
schlichtweg weggesperrt, man tolerierte sie nicht, man versorgte sie in menschenunwürdigen
Behausungen mit dem Allernotwendigsten und überließ sie ihrem Schicksal.
Lediglich in ländlichen Gegenden wurden Verwirrte und Geisteskranke, "Irre"
"Verrückte" oder "Absonderliche", wie man oft pauschal
sagte, einigermaßen toleriert, man nahm sie oft als etwas Kurioses hin,
schleppte sie aber in der Gemeinschaft noch irgendwie mit. Der Stand der Medizin
erlaubte keine klare Differenzierung zwischen unterschiedlichen Krankheitsbildern. Später
wurden durch die Hirnforschung Formen der Schizophrenie, der cerebralen Veränderungen
und der Zusammenhang zwischen bestimmten Gehirnregionen und Funktionen des menschlichen
Körpers erforscht; die Psychologie und die Psychiatrie brachten enorme Erkenntnisse
über das menschliche Verhalten, seine Psyche, äußere und organische
Einflüsse auf die Psyche, zu Tage. Ende
des 19. Jahrhunderts gelang dem deutschen Arzt Alois Alzheimer, den Kausalzusammenhang
zwischen sog. Plaques, Eisweiß-Molekülablagerungen im Gehirn, und Funktionsverlusten
beim veränderten Menschen festzustellen. Er untersuchte die konservierten
Gehirne Verstorbener, die zu Lebzeiten als geistig verwirrt galten, oder unter
erheblichen Einschränkungen im funktionalen Bereich gelitten hatten; ihm
kamen dabei sein Kenntnisse als Arzt von Patienten zu Hilfe, die er zu deren Lebzeiten
behandelt hatte. Alzheimer stellte bei vielen übereinstimmende Ablagerungen
an Gehirnpartien fest und kam zu folgendem Ergebnis: Wenn das menschliche Gehirn
schrumpft, atropisch wird, Ablagerungen wie Plaques und Neurovibrillen auftreten
und funktionsfähiges Nervengewebe zu Grunde geht, leiden sehr viele kognitiven
Fähigkeiten, Funktionen fallen teilweise oder ganz aus, so zum Beispiel die
Orientierungsfähigkeit, das Kurzzeitgedächtnis, das Raumgefühl
ebenso wie die Fähigkeit, abstrakt zu denken. Anfang
des 20. Jhrdts. wurde das von ihm erforschte Krankheitsbild, welches es in dieser
Komplexität bis dahin nicht gab, zu seinen Ehren als Morbus Alzheimer benannt.
2. Infolge
der sich seit Mitte des 19. Jhrdts. sehr verändernden sozialen Strukturen,
der Industrialisierung, der wachsenden Mobilität der Arbeitnehmer, dem Wegbrechen
der Großfamilien und der früher schützenden, ländlichen Strukturen,
lebten immer mehr ältere und alte Menschen allein; die Lebenserwartung stieg
dank des medizinischen Fortschritts und auch des Wegfalls schwerster und schwerer
körperlicher Tätigkeiten, wie auch des wachsenden Gesundheitsbewußtseins
ständig, die Menschen wurden mithin älter und erlebten daher auch in
immer größer werdenden Zahl die normale Altersdemenz und auch ZNS-
Erkrankungen, wozu Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose gehören. Das
klassische Pflegeheim fing die allein lebenden Alten auf, es wurde für sie
geschaffen, ein immer größer werdender Wohnungs-Markt für Alte
entstand. Ältere und Alte, die offenkundig an einer Demenz litten, wurden
in allen Häusern nach traditionellen Pflegekriterien mitversorgt, und dann,
wenn sie nicht in den betriebswirtschaftlichen Ablauf einfügbar waren, oder
ihn störten, häufig in geschlossenen Abteilungen oder psychiatrischen
Abteilungen von Krankenhäusern und Kliniken untergebracht. Das
bestehende Pflegeheimsystem konnte aber die immer weiter ansteigende Zahl von
Demenzerkrankten, die nicht mehr zu Hause versorgt und betreut werden konnten,
nicht zusätzlich auffangen, ohne repressive Maßnahmen zu ergreifen:
Demenzkranke wurden und werden dem System angepasst, in geschlossenen Abteilungen
eingeschlossen, in dem besonderen Gewaltverhältnis in Heimen rechtlos gestellt,
und bei - dem geregelten Betriebsablauf widersprechenden- Auffälligkeiten
häufig fixiert oder mit Medikamenten ruhig gestellt. Haftungsrechtlich bedingte
Ängste der Heime haben zu einer unverantwortlich hohen Zahl von PEG's (Magensonden)
geführt, da bloßes Verschlucken als akutes Anzeichen einer Aspirationsgefahr
gewertet wird, und Ärzte in erschreckend hoher Zahl das Legen von Magensonden
zur künstlichen Ernährung anordnen. Überforderte
und für den Umgang mit - aus ihrer bisherigen Bezugswelt herausgerissenen
- Demenzerkrankte nicht ausgebildete Pflegekräfte verlassen schon nach wenigen
Jahren ihren Arbeitsplatz, Mißstände häufen sich in Betreuungen,
Gerichte sind mit Betreuungsverfahren und dem Führen von Betreuungen überlastet
und überfordert, Angehörige, die sich sorgend einmischen, werden abgeblockt
oder zurückgewiesen. In Deutschland werden überdies viel zu viele
Betreuungen angeordnet, meist mit umfangreichen Wirkungskreisen für die Betreuer,
Wirkungskreisen, die in ihrer Gesamtheit und Auswirkung den früheren Entmündigungen
gleichen, auch wenn sie heute nicht mehr so heißen! Alle
Medien berichten fast täglich über die bedrückende Situation der
Demenz- Erkrankten und die Sorgen und Nöte der in fast allen Fällen
überforderten Angehörigen. Nationale wie auch internationale Untersuchungen
von Universitäten und Forschern belegen eindrucksvoll, dass das herkömmliche
Pflegesystem für Demenzerkrankte nicht nur überholt sondern untauglich
ist. Demenzerkrankte werden in Krankenhäusern und Kliniken als Patienten
3. oder gar 4. Klasse behandelt; verbetriebswirtschaftlichte Pflegegeheime sind
weder organisatorisch, noch personell in der Lage, den meist hilflosen Demenzerkrankten
die persönliche Betreuung, Zuwendung und Beschäftigung zu bieten, die
die Erkrankten dringend benötigen. 3. Dies
alles ist in der Öffentlichkeit bekannt oder wird immer bekannter; und dies,
meine Damen und Herren, ist der Grund dafür, dass viele befragte Erwachsene
sich ein Leben in einem Heim nicht vorstellen können, dass Fremdbetreuungen
durch Vorsorge- und Betreuungsvollmachten mehr und mehr vorgebeugt wird, wie auch
menschenunwürdigen Fixierungen und medikamentösen Ruhigstellungen in
der Abgeschlossenheit eines Heims. Und
nur deshalb werden in zunehmendem Maße Betreuungs- und Vorsorgevollmachten
gewollt: aus purer Angst davor, dass es einem im Alter so ergehen könnte,
wie es vieltausend- fach anderen bereits ergeht. Ca. 1.6- 1,8 Millionen Demenzerkrankte,
der Großteil Alzheimer-Erkrankte (mit steigender Tendenz) , können
nicht diesem bestehenden System angepasst werden; vielmehr muß das System
der bedrückenden Situation der pflegenden Angehörigen und den Bedürfnissen
der bereits enorm hohen Zahl Erkrankter angepasst werden, und zwar mit neuen Wohnformen,
massiver Unterstützung der häuslichen Pflege, der Stärkung des
Hausarztes und der Wiederherstellung der Familienrechte. 4.
Mit
zur Zeit etwa 1,6 Millionen Demenzerkrankten stehen wir alle an einem Scheideweg: -
will unsere Gesellschaft mit dem, nach Feststellungen vieler wissenschaftlicher
Experten dafür untauglichem Pflege- und Gesundheitssystem weiterhin wegsperren,
medikamentös die natürliche Menschlichkeit mit all ihren Facetten dämpfen
und Alzheimer- Erkrankte "systemtauglich" und pflegeleicht machen ? -
will sie junge Menschen voller Idealismus und Bereitschaft, helfen zu wollen,
in einem ver- betriebswirtschaftlichten Krankenhaus- und Pflegeheimsystem desillusionieren
und verschleißen? -
will sie Ansätze von Kreativität, Ideen und neuem Denken im Keim ersticken,
nur weil Änderung Unruhe schafft und Kosten verursacht und - will sie,
dass Gesunde zunehmend mit Furcht und Angst dem Altern entgegen sehen? Und
will sie, und dies ist die Gretchenfrage, Verantwortung, Pflichtgefühl, Menschenwürde,
und auch Dankbarkeit, einem technokratischen, rein gewinnorientierten und nach
Arbeitszeiteinheiten ausgerichteten System unterordnen, weil alles andere unbequem
ist, Veränderungen notwendig macht und möglicherweise das ganze Erbe
kostet? Zweifellos
steht unsere Gesellschaft hilflos vor dem Phänomen einer rapide wachsenden
Zahl Demenz-Erkrankter, mit der niemand gerechnet hat, und über die bis vor
wenigen Jahren auch kaum öffentlich geredet wurde. Rechtfertig aber Unkenntnis
und Überraschung menschenunwürdigen Umgang, Wegsperren und Abschieben
in die bereits 4. Klasse unseres Gesundheitssystems? Die
Weichen müssen jetzt gestellt werden! Vergessen wir nie den Umgang mit sog.
lebensunwerten Leben in unserer jüngeren Vergangenheit. Manche sagen bereits,
Demenz-Kranke, die nicht mehr rehabilitierbar, nicht mehr gebär- oder zeugungsfähig
sind, die nicht mehr im Produktionsprozeß stehen, also auch keine Beiträge
zur Sozialversicherung mehr erwirtschaften können, die zudem alt und krankheitsbedingt
nicht mehr in der Lage seien, sich wie wir Gesunde zu artikulieren, würden
ja nur noch "dahinvegetieren", ihr Leben sei lebensunwert. Manche sagen
- und viele denken- : "das ist doch kein Leben mehr", vergessen aber,
dass wir deren Leben in unserem Gesundheits- und Pflegesystem zu dem machen, was
manche dann anschließend nach unseren herkömmlichen Kriterien als "lebensunwert"
qualifizieren! Im
Europarat schlummert eine "Erklärung", nach der die Forschung an
Demenzkranken zulässig sein soll, wenn der gesetzliche Vertreter zustimmt.
Vergessen wir nicht die Forschung an Geisteskranken, Dementen im Dritten Reich,
vergessen wir nicht die "Nürnberger Resolution" nach den Pozessen,
in der gefordert wird: nie mehr Forschung und nie mehr Versuche an und mit Demenz-
Erkrankten ! Aber, wie weit sind wir schon, dass nur wenige Jahrzehnte nach den
grauenhaften Ereignissen bereits wieder die Möglichkeit der Forschung an
Demenz- Erkrankten in Betracht gezogen wird? Wenn
wir alle nicht jetzt die Weichen stellen, werden wir zudem einen neuen Generationen-
Konflikt in nur wenigen Jahrzehnten erleben, einen gewaltigen Konflikt zwischen
über 35 % der Bevölkerung die dann über 65 Jahre alt sein wird-
darunter weit mehr als 2-3 Millionen Demenz-Erkrankte- einerseits, und auf der
"anderen Seite" den Jüngeren, die über ihre Beiträge
das Pflege- und Gesundheitssystem mit all seinen verschwenderischen Auswüchsen
finanzieren sollen! Die
Solidarität mit den Hilfsbedürftigen wird in Zukunft stärker als
bisher zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden. Heime mit ihren besonderen
Gewaltverhältnissen, die ein amerikanisches Bundesgericht (im sogenannten
Penthurst-Fall ) bereits als mit den Freiheitsrechten der amerikanischen Verfassung
unvereinbar erklärt hat, können bereits jetzt nicht mehr die Mindeststandards
für eine menschenwürdige Pflege und Versorgung Demenz-Erkrankter erfüllen.
Es gilt also kommunale Hilfsstrukturen zu schaffen, die häusliche Pflege
und Versorgung massiv zu stärken und neue Wohnformen zu schaffen. Abgesehen
davon, dass Demenz-Kranke häufig nicht in der Lage sind, ihre somatischen
Leiden auszudrücken, sich "bemerkbar" zu machen, ihre anderen Leiden
daher oft nicht behandelt werden, sind sie auch nicht in der Lage, in dem besonderen
Gewaltverhältnis Heim und einer medizinischen Versorgung, die nicht auf die
Ergründung individueller Bedürfnisse ausgerichtet ist, ihre Wünsche
und Neigungen auszudrücken und deren Erfüllung einzufordern. Eine
lebensweltliche Integration ist in Heimen nicht möglich, weil Demenz-Erkrankte
in engster Wohnumgebung isoliert leben; Kreativität, die "anthropologische
Weltoffenheit" des Menschen, Rücksichten auf individuelle Bedürfnisse
und auch Abneigungen, sind nicht Bestandteil der Pflegeheimversorgung, die sich
im Wesentlichen auf die Erledigung der Grundbedürfnisse "Waschen, Trocknen,
Füttern, Legen" beschränkt. Dies
, meine Damen und Herren, ist die Realität der Demenz-Erkrankten in der weitaus
größeren Zahl der Pflegeheime in Deutschland! Eine
lebendige Gesellschaft kann unter den gegebenen Bedingungen in vielen Heimen nicht
entstehen. Vielmehr handelt es sich um eine Gemeinschaft der Ausgeschlossenen (
Goffmann,E. 1973 "Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten
und anderer Insassen", Nomos, Baden-Baden) Daß
auch Demenz-Erkrankte eine Seele haben, Kreativität und Ausdruckswillen in
sich tragen und umsetzen können, zeigt das Beispiel Carolus Horn; in manchen
Heimen werden in Mal- und Zeichenstunden Bewohnern Gelegenheit und auch Anleitungen
zum Malen und Zeichnen und auch Musizieren angeboten, was dabei herauskommt, ist
erstaunlich! Leider entstammen solche beschäftigungstherapeutischen und das
Leben im Heim erträglich machenden Initiativen, die zudem und gerade in den
früheren Stadien der Erkrankung retardierend wirken, dem Engagement weniger
Einzelner! Musische Fähigkeiten und Neigungen zu erhalten oder zu
fördern gehört aber in fast allen Häusern nicht zum geplanten Tagesablauf,
aus Gründen der Personalknappheit, aber auch aus Gründen der mangelnden
Ausbildung des Pflegepersonals - wie auch sportliche und Freizeitaktivitäten
nicht dazu gehören. Und
hier, im Bereich Ausbildung sehe ich eine große Aufgabe der Heilpädagogik:
Die Vermittlung von fachübergreifendem Wissen aus verschiedenen Einzeldisziplinen
an junge, angehende Pädagogen, mit dem diese in die Ausbildung von Pflegekräften
eintreten; die klassische pflegerische Ausbildung darf nicht allein um eine gerontopsychiatrische
Zusatzausbildung ergänzt werden, um sie "Dementen-tauglich" zu
machen; hier muß mehr psychologisch/pädagogischer Wissensstoff, verbunden
mit musisch/therapeutischen Elementen - vereinfacht ausgedrückt- in die Pflegeausbildung
einfließen, damit die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen leben
und erlebt werden können, und nicht durch Zwangsmittel unterschiedlicher
Art gedämpft oder unterbunden werden, und damit menschenwürdiger Umgang
mit Demenz-Kranken Standard wird. Die beste Medikation, so sagte schon der
englische Professor Kitwood und seine "Bradford Dementia Group", ist
die Bezugsperson, die Erhaltung der persönlichen Identität, und die
Achtung der individuellen Persönlichkeit der Erkrankten. 5. Meine
Damen und Herren, die Ausstellung "Das Oeuvre des Carolus Horn" soll
nicht nur die Öffentlichkeit für die Welt eines Alzheimer-Erkrankten
öffnen, sie für seine immer noch, trotz der fortschreitenden Erkrankung,
vorhandene tiefe Empfindsamkeit und Empfindlichkeit, seinen Ausdruckswillen und
seine Ausdruckskraft sensibilisieren; die
Ausstellung soll dazu beitragen, dass "Alzheimer-Kranke" ernst genommen
werden, dass ihnen die selben, uneingeschränkten, Rechte auf Menschenwürde
und Achtung, Respekt und Rücksichtsnahme zustehen, wie uns Gesunden. Sie
soll uns in einer immer materialistischer denkenden und handelnden Welt die Seele
und das immense Leid anderer nicht vergessen machen. Ich
bedanke mich an dieser Stelle bei der Eigentümerin der Sammlung, der Firma
Novartis, dafür, dass sie die Werke des Carolus Horn mit großem Engagement
der Öffentlichkeit dafür immer wieder zugänglich gemacht hat und
macht. Durch die bildliche Präsentation lässt sich bei weitem mehr
ausdrücken und nachhaltig vermitteln, als mit noch so guten Schriften, wie
wir alle wissen. Ihnen,
meine Damen und Herren, danke ich für Ihre Geduld und wünsche Ihnen
einen erkenntnisreichen Gang durch die Ausstellung, einen Gang durch die Welt
eines höchst kreativen Werbegrafikers und Künstlers, der nachdenklich
stimmen soll. Nicht
das Faust'sche Streben nach der Erkenntnis vom Zusammenhalt des Universums soll
uns bewegen, sondern die Suche nach einem Verständnis, mit dem wir den Geist,
das Wesensmerkmal der Persönlichkeit, mit dem Körper versöhnen
können.
Ich danke Ihnen.
(Abdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verfassers)
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