April 2002
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
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Neue Wohnformen für Demenzbetroffene
"Zu Hause ist da, wo man sich wohl fühlt"
 
Eine Ausstellung
präsentiert durch die
Alzheimer Gesellschaft
Bonn e.V.
 
 
 
ab 07. Mai 2002 im
Wissenschaftszentrum Bonn
(Die Ausstellung ist bis
zum 23. Mai geöffnet)
 

 
zum Thema: Fotoausstellung Claudia Thoelen
Die Zahl der Alzheimer-Kranken in Deutschland steigt unaufhaltsam an. Schon heute ist das Pflege- und Gesundheitswesen völlig überfordert, die bereits mehr als 1,5 Mio. Demenzkranken, davon ca. 4700 - 7500 allein in der Bundesstadt Bonn, angemessen und menschenwürdig zu versorgen. In nur wenigen Jahren werden mehr als 2 Mio. Menschen in Deutschland an einer Demenz-Erkrankung leiden, vor allem an der Alzheimer-Krankheit; gegen die Erkrankung des zentralen Nervensystems gibt es bisher keine Medikamente;
Pflegeheime und Pflegekräfte, Arztpraxen und Kliniken sind auf diese große und steigende Zahl Erkrankter nicht vorbereitet.
 
Pflegende Angehörige werden mit ihren Probleme zu oft alleine gelassen, sie überfordern sich meist selbst, so dass bei fortschreitender Erkrankung und der Zunahme von Funktionsdefiziten bei den Betroffenen eine häusliche Versorgung meist nicht mehr möglich ist.
 
Mißstände häufen sich, Demenz- Kranke werden mit "repressiven" Mitteln an das bestehende System angepasst, anstatt das Pflege- und Betreuungssystem den Betroffenen anzupassen. Gerichte sind mit der Führungen von Betreuungen überlastet und ordnen häufig vorschnell die Unterbringung von Betroffenen in geschlossenen Abteilungen von psychiatrischen Krankenhäusern und Kliniken an, weil oft die Ansicht vertreten wird, es gäbe keine Alternativen, und weil viele nicht die menschliche Tragik "hinter" der Erkrankung und ihren Folgen erkennen! Damit in Zukunft Demenz- Erkrankte ohne medikamentöse oder mechanische Zwangsmittel, ohne Einsperren oder Isolierungen menschenwürdig und respektvoll versorgt, betreut und gepflegt werden können, müssen alle am Pflege- und Gesundheitswesen Beteiligten vollständig umdenken:
 
der Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und die zunehmende Einschränkungen bei der zeitlichen und örtlichen Orientierung sowie der Abhängigkeit von der Hilfe Dritter führen vor allem in fremder und ungewohnter Umgebung zu Unsicherheit und Angst. Ein neues Wohnumfeld sollte daher der eigenen, früheren Häuslichkeit so weit wie möglich entsprechen und Bindungen zu neuen Wohnumgebungen und Pflegekräften als Bezugspersonen herstellen helfen. Neue Wohnformen bieten ein lebenswertes, bezugsvolles und humanes Umfeld, in dem sich Demenzerkrankten wohl fühlen können, und in dem keine repressiven Zwangsmittel Platz haben oder "gebraucht" werden.
 
Herkömmliche Alten- und Pflegeheime führen aufgrund ihrer oft krankenhausähnlichen Bauweise, die geprägt ist von langen Fluren und vielen Verwinkelungen, zu noch mehr Verwirrung und Angst bei den Betroffenen;
Aggressionen, Depressionen, Verletzungen, auch in Folge von medikamentösen Nebenwirkungen, vorschnelles Legen von Magensonden verschlimmern die Lage der Betroffenen. Schematisierte und standardisierte Arbeitsabläufe verhindern Kreativität und Zuwendung bei Pflegekräften.
 
Bereits traditionelle Wohnformen z.B. in den Niederlanden, sowie in Häusern in verschiedene Bundesländern, viele Einzel-Initiativen und neue, bereits umgesetzte Ideen beweisen, dass es auch anders geht, und dass auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten neue Wohn- und Lebensformen machbar und finanzierbar sind.
 
Die Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. möchte mit dieser Ausstellung auf bereits vorhandene, bewährte Wohnformen und Wohnkonzepte hinweisen, nachdenklich stimmen und Anregungen zum "Nachmachen" vermitteln, damit Demenz-Erkrankte in einem humanen und zuwendungsreichen Lebensumfeld leben können, frei von Zwängen, die die Betroffenen lediglich anpassen sollen.
 
Wir möchten mit dieser Ausstellung aber auch die Betrachter für das trotz der Erkrankung immer und stets vorhandene "Seelenleben" der Betroffenen sensibilisieren und verständlich machen helfen, dass die Krankheit zwar die herkömmliche Kommunikation erschwert und letztlich zerstört, nicht aber den Menschen, der wie wir Gesunde Leid und Freude, Schmerz und Traurigkeit empfindet, der Lachen kann und sich vor allem auch
 
wohl fühlen kann (und soll!)