Angehörigenseminare
Erfreulicherweise macht unsere Seminarreihe für pflegende und betreuende Angehörige Schule.Diese erfolgreiche Reihe werden wir auch in diesem Jahr fortsetzen.

Die Hannelore Kohl Stiftung (ZNS) verantsaltet nunmehr auch ein solches Seminar "Anleitung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen" in Hennef. In Fachvorträgen und Workshops etc.sollen Angehörigen Hilfestellungen für die Pflege und Versorgung ZNS-Erkrankter gegeben weren.

Anmeldung unter: Berufsgenossenschaftliche Akademie, z. Hd. Frau Lüder, zum Steimelsberg 7, 53773 Hennef, oder Tel. 0228 978450 , Fax: 02242-894444.

Bitte denken Sie daran, uns rechtzeitig ihr Interesse an der Teilnahme an der nächsten Seminarreihe der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. schriftlich mitzuteilen (Adresse: Friesdorfer Straße 91, 53173 Bonn).
Rheinland Pfalz :
Die Landesregierung fördert die Information und Schulung von Angehörigen, damit sie erfahren und lernen können, wie sie mit Demenz-Erkrankten in ihrer Familie , in und mit ihrem Umfeld besser umgehen können. Rheinland-Pfalz macht damit einen Schritt, den die Bundesstadt Bonn bereits zuvor vollzogen hat. Dort wird bereits seit Längerem, zusammen mit der Bürgerstiftung Bonn, das Programm: "Hilfe beim Helfen" der Alzheimer Gesellschaft Bonn, gefördert und unterstützt.
Hilfe "vor Ort" muß bundesweit Schule machen.

ms. 20.07.2005
bis September 2006 - Archiv
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
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Vorstand bestätigt

Die Mitglieder der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. haben in ihrer Mitgliederversammlung am 26. Juli 2006 einstimmig den gesamten Vorstand in seinem Amt bestätigt und allen Vorständen ebenso einstimmig ihr Vertrauen ausgesprochen.
Gesundheit: Mehr als ein Drittel der 80jährigen ist unterernährt

Altern, Krankheit und Medikamente rauben vielen Senioren den Appetit. Zu wenig Kalorien, Vitamine und Mineralien verstärken den Abbau.

Von Anke Nolte, aus "Die Welt" 27. Juli 2006

Paderborn - Morgens ißt die alte Dame ein halbes Brötchen mit Konfitüre, mittags rührt sie den Braten mit dem Gemüse kaum an, und am Abend tunkt sie den Zwieback in den Tee. "Besonders im hohen Alter essen viele Menschen zuwenig, weil der Appetit nachläßt", so Professor Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler an der Universität Paderborn. "Und viele Senioren bevorzugen vitamin- und mineralstoffarme Kost." Zwar nimmt der Kalorienbedarf mit dem Alter ab, nicht aber der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Schwäche und Antriebslosigkeit, Störungen des Gedächtnisses, Verwirrtheit, Infekte - vermeintliche Alterserscheinungen können Folgen einer Mangelernährung sein. Insgesamt erhöht Untergewicht das Risiko, früher zu sterben.

Die Paderborner Seniorenstudie unter Hesekers Leitung zeigte, daß die Gefahr einer Mangelernährung mit dem Alter steigt: Essen bei den 65- bis 69jährigen etwa ein Fünftel zu wenig, sind es bei den 80jährigen schon fast ein Drittel. Es waren sowohl gesunde Senioren darunter, die zu Hause leben und sich selbst versorgen, als auch Pflegebedürftige, die in einem Heim leben. Untersucht man ausschließlich Heimbewohner, wie in der Paderborner Altenheimstudie, steigt der Anteil der untergewichtigen Personen auf die Hälfte an. Dafür können aber nicht nur die Heime verantwortlich gemacht werden, betont Professor Heseker: "Viele Menschen kommen bereits untergewichtig ins Heim, was den Angehörigen und dem Hausarzt vielleicht entgangen ist." Durch die Trauer, die eigene Wohnung zu verlieren, die neue Umgebung, das ungewohnte Essen kann sich die Situation noch verschärfen.

Die "Allianz gegen Mangelernährung im Alter" - ein Zusammenschluß von Experten aus Geriatrie, Ernährungsmedizin, Ernährungs- und Pflegewissenschaften sowie Seniorenverbänden - weist darauf hin, daß auch bei Aufnahme in ein Krankenhaus fast jeder zweite alte Patient mangelernährt ist. "Im Krankenhaus bekommen die Patienten manchmal lange Zeit nichts zu essen, weil einige Untersuchungen nüchtern durchgeführt werden müssen", berichtet Dorothee Volkert vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn und Mitglied der Allianz. "Es ist mehrfach publiziert, daß sich der Ernährungszustand älterer Patienten im Krankenhaus noch verschlechtert."

Für Mangelernährung im Alter gibt es viele Ursachen: "Etwa ein Viertel der Hochbetagten leidet unter Mundtrockenheit, so daß es ihnen schwerfällt, das Essen herunterzubekommen", so Professor Heseker. Für die Mundtrockenheit können einige Medikamente verantwortlich sein, wie Antidepressiva oder Entwässerungsmittel. Überhaupt machte die Paderborner Seniorenstudie deutlich: Je mehr Arzneimittel am Tag der alte Mensch nimmt, desto schlechter der Appetit. "Außerdem sind manche Schlaf- und Beruhigungsmittel überdosiert", so Heseker, "so daß die Senioren zu den Mahlzeiten schläfrig sind." Auch Gebißprobleme und Schluckstörungen, etwa in Folge eines Schlaganfalls, nehmen die Lust am Essen. Viele Senioren sind chronisch krank und haben deshalb keinen Appetit. Einschneidende Lebensereignisse, wie der Tod des Partners oder von Freunden, schlagen auf den Magen. Schließlich macht es den meisten mehr Spaß, in Gesellschaft statt allein zu essen.

Einige physiologische Veränderungen machen sich im Alter eventuell bemerkbar: Die Magensäureproduktion läßt nach, so daß vielleicht öfters einmal eine Magenschleimhautentzündung auftritt. Vitamin B12 kann nicht mehr richtig aufgenommen werden. Der Magen dehnt sich nicht mehr so stark, so daß früh Sättigungssignale erfolgen. Sinnliche Eindrücke - wie Geschmack und Geruch - werden schwächer.

"Das bedeutet aber nicht, daß ein hohes Alter zwangsläufig mit einer Mangelernährung einhergehen muß", betont Heseker. So brachte eine Bonner Studie mit fast 2000 älteren und alten zu Hause lebenden Menschen zutage, daß sich die Energie- und Nährstoffversorgung gesunder Senioren nicht wesentlich von derjenigen jüngerer Erwachsener unterscheidet. Eine zentrale Rolle spielt die Bewegung. "Körperliche Aktivität steigert den Grundumsatz und damit den Appetit", so Heseker.

Gerade in einem Altenheim, wo die Bewohner oft gar nicht mehr vor die Tür kommen, kann ein Bewegungsprogramm Wunder wirken. So verbesserte sich durch ein Muskelkräftigungsprogramm in zwei Paderborner Altenheimen und einer Einrichtung des Betreuten Wohnens Gehvermögen, Kraft und Wohlbefinden. Das kann zum Beispiel heißen, daß die Senioren nicht mehr zu schwach sind, einkaufen zu gehen, eine Lebensmittelpackung aufzureißen oder sich das Brot zu schneiden.

Experten aus der Geriatrie und Ernährungsmedizin betonen aber: Eine homogene Gruppe der alten Menschen gibt es nicht, schließlich handelt es sich um eine Lebensspanne von über 40 Jahren. Gerade die "jungen Alten" sind fit, reisen, fahren Fahrrad, gehen ins Theater und wissen gutes Essen zu schätzen. Und damit haben sie ein ganz anderes Problem: Übergewicht.

Artikel erschienen am Do, 27. Juli 2006

Neue Broschüre: "Wohin? Soziale Strukuren in einer wohlhabenden Gesellschaft"


Der Prozeß des Umdenkens schreitet voran, der Sozialstaat stößt an die Grenzen seiner Finanzierbarkeit;  Demenz-Erkrankte sind de facto schon jetzt in einer 3. Klasse unseres Gesundheitssystem, viele andere Behinderte auch - wie wollen wir unser Gesundheitssystem eigentlch bezahlen und den wirklich Bedürftigen helfen, ohne unseren Anspruch auf ein wirklich faires und finanzierbares Sozialstaatssystem aufgeben so wollen? Wohin treiben uns Egoismen und Partikularinteressen? Solidarität ist ein Grundprinzip aller wirkungsvollen und funktionsfähigen sozialen Versicherungssysteme; Funktionsfähigkeit bedeutet aber die Beseitung der hohen Arbeitslosigkeit, Erhöhung der Zahl der Beitragszahler - und Vernunft bei denjenigen, die das alte globale Sozialversicherungssystem aus dem 19. Jhrdt. modernisieren, es dem gesamtgesellschaftlichem Wohlstand und der globalen Wettbewerbslage anpassen müssen, anstatt ständig neue Füllhörner auszuschütten. Wenn die Soziale Marktwirtschaft ihre sozialgebundene Orientierung nicht verlieren und die Grundvoraussetzungen für ihren auch sozialen Anspruch nicht aufgeben will, müssen uns allen die Voraussetzungen für  Subsidiarität, Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und eine marktgerechte, ideologiefreie, am Markt orientierte  Tarifpartnerschaft wieder bewußt gemacht werden. Damit wir in erster Linie denen helfen können, die sich selbst nicht mehr helfen können - und dies ist die wachsende Zahl der Demenz- Erkrankten in Deutschland.

Michael Streicher (Mai 2006)  
[zur Bestellung]
 

Ärztliche Versorgung in Heimen
Demenz-Erkrankte können, wenn sie somatische Leiden haben, nicht (mehr) alleine eiinen Arzt aufsuchen, sondern nur in Begleitung einer Pflegekraft, was aber häufig an der Personalausstattung in Heimen scheitert. Eine "freie" Arztwahl haben sie, wegen des zunehmenden Einbruchs bei den kognitiven Fähigkeiten, mangelnder Ausdruckskraft und oft auch Sprechunfähigkeit nicht, Betreuer kümmern sich oftmals zu wenig um die ihnen Anvertrauten gerade in diesem Gesundheitsbereich.

Hinzu kommt, daß die von Heimen eingesetzten "Hausärzte" (auf welcher rechtlichen Grundlage werden diese überhaupt eingeschaltet?) häufig Neurologen oder Psychiater sind, die fachlich nicht zuständig sein dürften und meist keine Zeit finden, um sich der gesundheitlichen "Auffälligkeiten" jeden Heimbewohners anzunehmen, oder die Patienten regelmäßig auf somatische Leiden zu untersuchen.

Hier besteht enormer Handlungsbedarf, damit Demenz-Erkrankte ausreichend versorgt werden, körperliche Leiden frühzeitig erkannt und behandelt und zur Vornahme ärztlicher Heilbehandlung rechtzeitig vertretungsbefugte Betreuer eingeschaltet werden. Es darf nicht sein, daß Heimbewohner wochenlang mit nicht rechtzeitig entdeckten Frakturen herumlaufen, organische Leiden nicht erkannt und behandelt - und, wenn Patienten vor Schmerzen schreien oder agil (oder auch agressiv) werden,mit sedierenden Psychopharmaka stillgelegt werden. Übrigens haben auchDemenz-Erkrankte ein Recht auf Vorsorgeuntersuchungen!

Michael Streicher 7/06
 
Angehörigenberatung

Bitte erkundigen sie sich auch bei den örtlichen Beratungsstellen (Caritas, städtische Beratungsstellen u.a.), wenn es darum geht, Hilfestellung zu erhalten.

Auch die lokalen Selbsthilfegruppen können aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich vielleicht Hinweise geben. Wir wissen, es ist ein sehr schweres Krankheitsfeld, das Angehörige fordert, und in dem man guten Rat und Hilfe braucht.

Auch Freunde und Bekannte können dazu beitragen. „Patentrezepte“ gibt es nicht, wie auch in so vielen Bereichen des Lebens, nicht.. Die liebevolle, bezugsvolle Betreuung und sehr viel Verständnis, auch in Bezug auf die Biographie sind gefragt und notwendig, und viel Kraft.

Angehörige, die pflegen und betreuen, dürfen sich nicht vergessen, sonst wird aus einem Krankheitsfall ein zweiter.

Gute ärztliche Beratung ist sehr notwendig, auch die Einsicht, dass man die innere Kraft entwickeln muß, um mit solchen Schicksalsschlägen fertig zu werden.

Arbeiten Sie auf allen zur Verfügungen stehenden Ebenen mit, dass Demenz-Erkrankte human und liebevoll versorgt und betreut werden, auch dies gehört zur Verantwortung, und zur inneren Zufriedenheit, bei all' der Dramatik, die sich aus solchen Krankheiten ergibt.

Der Zusammenhalt in der Familie ist ohnehin das Wichtigste, die Teilung der Aufgaben, auch die Teilung des Leids. Dies gilt für alle schweren Erkrankungen und Formen der Behinderung durch Krankheiten

ms September 2006
 

Leiden in der Pflegefabrik
Die Versorgung der Pflegefälle in Deutschland ist in weiten Teilen unzureichend. Ursachen sind Kostendruck und überfordertes Personal

von Ulli Kulke (die Welt am 17.07.2006)


 Alzheimer-Telefon und Beratung 
  Telefon: 0228 - 3862853
Montag - Freitag
(ist die Geschäfts-und Beratungsstelle nicht besetzt, bitte auf Band sprechen - wir rufen zurück)

Beratung:
Montag und Dienstag 10:30 - 12:00 Uhr
Mittwoch 13:30 -15:30 Uhr
Donnerstag 14:00 - 15:30 Uhr


Ab Herbst 2006 weitere Angehörigengruppen: SUNRISE Domizile ,Villa Camphausen, Mainzer Straße 233, 53179 Bonn-Mehlem, Tel. 0228-3296-0

Beratungsstelle:  
Friesdorfer Straße 91, 53173 Bonn Postanschrift : Clemens-August Straße 24, 53115 Bonn  Fax: 659506
 
   
Jeder zweite Bundesbürger hat heute bereits große - und angesichts ausblutender Rentenkassen nicht unberechtigte - Angst vor Altersarmut. Und doch ist das längst nicht die schlimmste Sorge, die die Deutschen umtreibt, wenn sie an ihren Lebensabend denken: Knapp zwei Drittel fürchten sich davor, in den späten Jahren zum Pflegefall zu werden und auf die Hilfe des oft überlasteten Personals von Krankenhaus oder Pflegeheim ausgeliefert zu sein.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft, daß dies nichts mit skeptischem Zeitgeist oder diffuser Zukunftsangst zu tun hat, wird jetzt der Berliner Öffentlichkeit mitten im weltmeisterlichen Taumel in schrecklicher Weise vorgeführt, was alles hinter den Mauern von Heim und Klinik mit alten Menschen passiert: Hier zu Tode verbrüht, da verloren und verhungert in den unergründlichen Katakomben einer Klinik, und dort schließlich drei Tage lang vergessen in einem stecken gebliebenen Aufzug (siehe auch den Text unten). Über Cartoons etwa mit dem Opa, der mitsamt Rollstuhl beim einbrechenden Winter im Garten versehentlich stehen gelassen wurde, dürfte vorerst niemand mehr lachen in der Stadt. In der Altenpflege scheint nichts unmöglich.

(Anm.: Es ist bekannt, daß ca. 70-80% der Pflegeheimbewohner an einer Demenz-Erkrankung leiden. Geht man von 600 000 Pflegeheimbewohnern in Deutschland aus, so sind
bei einem Prozentsatz von 70% 420 000 Heimbewohner Demenz-Kranke. Da "nur" ca. 20% der Demenz-Erkrankten in Heimen gepflegt werden, ca. 80% zuhause, errechnen sich schon heute 2,1 Mio. Demenzerkrankte; bei einem Krankenanteil von 80% sind es beireits 2,4 Mio insgesamt. Es ist an der Zeit, daß die überalterten Zahlen in vielen Berichten, Broschüren und Infos korrigiert werden, damit auch die Politik erkennt, wie dramatisch das Ausmaß bereits ist - und es wird noch weit dramatischer, da die Zahl der Erkrankten auf Grund der Altersstruktur unserer Gesellschaft und der gestiegenen Lebenserwartung wächst!
Es besteht dringender ( ! ) Handlungsbedarf. Michael Streicher, Juni 2006)

[weiter
100 Jahre Alzheimer-Forschung - Die Welt am Sa, 8. April 2006
"Auguste." Ihr Name war die immer gleiche Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen, die der 36jährige Arzt Alois Alzheimer an sie stellte. Auguste Deter wurde am 25. November 1901 in die Frankfurter Anstalt für Irre und Epileptische eingeliefert. Von ihrem Mann, der sich und
ihr nicht mehr zu helfen wußte. Die damals 51jährige Frau litt an Verfolgungsängsten, Gedächtnisschwund und war dem Alltag nicht mehr gewachsen. Ihr Gemütszustand wechselte zwischen Aggression und Apathie, ihre zunehmende Orientierungslosigkeit beschrieb sie einmal erstaunlich klar und treffend: "Ich habe mich sozusagen selbst
verloren."

Diese bittere Erfahrung machen heute etwa 24 Millionen Menschen weltweit, sie sind an Alzheimer erkrankt und teilen das Leid der Auguste Deter, deren Demenz und Beschwerden einst gar nicht ins Bild der Psychiatrie paßte. Jetzt, mit steigender Lebenserwartung,
befürchten die Experten einen "Tsunami" für Gesundheitssystem und Volkswirtschaft.

Erst Augustes Tod ermöglichte es jedoch, eine Ursache zu finden, und begründete vor 100 Jahren die Alzheimer-Forschung: Am 8. April 1906 stirbt die Patientin an einer Blutvergiftung. Alois Alzheimer, der inzwischen an die Psychiatrische Anstalt nach München gewechselt war,
seziert ihr Gehirn und findet im Gewebe etwas, was ihn an Masern oder Windpocken erinnert: braune Plaques in der Hirnrinde. Am 6. November 1906 berichtet er öffentlich über den eigenartigen Befund, so wird Auguste D. zum ersten dokumentierten Fall der Alzheimer-Krankheit. Die Eiweißablagerungen und der Verlust von Nervenzellen sind typisch für
das, was heute als Ursache für "Alzheimer" bekannt ist. Auch 100 Jahre später, trotz immensen Wissens, ist diese Erkrankung nicht heilbar. Allerdings stehen wirkungsvolle Mittel zur Frühdiagnostik wie auch für die Therapie zur Verfügung - nur kommen sie nicht immer zum Einsatz. Die Umsetzung bestehender Ansätze, die Erforschung neuer sowie die Versorgung der wachsenden Patientenzahl stellt jetzt die Gesellschaft vor eine große Herausforderung.
ska

 

Spendenaufruf:


Liebe Leser, liebe Freunde und Förderer unserer Gesellschaft und unseres Anliegens,

wir alle, die wir ehrenamtlich für unsere Satzungsziele, für die Verbesserung der Situation der Demenz-Erkrankten in Heimen und Kliniken eintreten, richten uns mit einer Bitte an Sie:

Wir haben uns in der Vergangenheit bemüht, unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen Dritter (Pharmafirmen, Psychiatrischen Kliniken, Ärzten und auch Heimen) kritisch, aber konstruktiv über die Alzheimer Krankheit, den Umgang mit ihr, über Diagnosemöglichkeiten, die Rechtslage und vieles andere mehr zu informieren. Wir scheuten und scheuen dabei nicht davor zurück, kritisch zu sein und Mißstände anzuprangern. Dies können wir, weil wir finanziell unabhängig sind und keine Zuschüsse der öffentlichen Hand beantragt haben (wir wollen den kleinen Selbsthilfegruppen die ohnehin knappen öffentlichen Mittel für ihre Arbeit nicht schmälern!).
Dies können und wollen wir auch, weil wir Aktiven uns in unserer Arbeit von niemandem "kaufen" lassen.
Wir sind daher auf die Beiträge unserer Mitglieder und vereinzelte Spenden angewiesen, die aber nicht ausreichen, möglichst viele Informationen, Rundschreiben, unseren Newsletter und unsere eigenen Broschüren möglichst Vielen zugänglich zu machen. Porto, Kopiekosten, Versandmaterielaien und auch die Führung unserer effektiven und oft in Anspruch genommenen Beratungsstelle kosten nun einmal viel Geld. Auch unsere Veranstaltungen.

Daher unsere große Bitte:

Wenn Sie mit unserer Tätigkeit einverstanden sind, sich mit unserer Zielsetzung "Schaffung von humanen Lebensverhältnissen von Demenz-Erkrankten und Unterstützung der häuslichen Versorgung, Entlastung der pflegenden und betreuenden Angehörigen, sowie Änderung des für die wachsende Zahl Demenz-Erkrankter untauglichen Pflegesystems" identifizieren, unterstützen Sie uns finanziell. Wir werden auch in Zukunft- wie bisher- überregional aktiv sein, uns überall dort zu Wort melden, wo die Entscheidungen für oder gegen Demenzkranke vorbereitet oder getroffen werden. Wir verstehen uns nicht bloß als lokale oder regionale Selbsthilfegruppe.

Sie können dies mit einem Einmal-Betrag tun, mit laufender Hilfe, indem Sie Mitglied unserer Gesellschaft werden, oder einfach durch eine Überweisung auf unserer Beitrags- und Spendenkonto

Nr. 17 539 115 bei der Sparkasse Bonn (BLZ 380 500 00)

Unsere Gesellschaft ist als gemeinnützig anerkannt und im Vereinsregister des Registergerichts (Amtsgericht) Bonn eingetragen.

Sie erhalten auf Wunsch selbstverständlich eine Spendenbescheinigung. Auch kleine Spenden helfen. Sie können auch eine unserer Veranstaltungen sponsern; wir werden dann auf Sie als Sponsor, auch in unserer Pressearbeit, hinweisen, sofern Sie dies möchten.

Ihre Hilfe hilft Vielen, die sich selbst nicht mehr helfen oder auch wehren können- damit diejenigen, die langsam vergessen, nicht vergessen werden.

Danke
Ihre Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
 

Gesundheitsreform und Pflegeversicherung - beide gehören zusammen!
 
Nach den für die große Koalition in Berlin positiven Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz will, so die Aussagen der jeweiligen Regierungs- und Fraktionssprecher, die Bundesregierung nun verstärkt die "großen" und dringend gebotenen Reformpläne angehen.
Dazu gehören nicht nur der Subventionsabbau und wirksame Maßnahmen zur Beseitigung der hohen Arbeitslosigkeit, sondern auch die Gesundheitsreform.

Dabei bietet sich nun auch und geradezu die Reform der Pflegeversicherung an, die ja, bei welche Kassen auch immer, fast vor dem finanziellen Aus steht, wenn nicht die Beiträge massiv erhöht werden! Die wachsende Zahl Demenz-Erkrankter gebietet geradezu eine wirksame und nachhaltige Reform, die die würdevolle Betreuung, Versorgung, Pflege und Beschäftigung der Betroffenen sichert, und zwar dauerhaft.

Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass die Interdependenz zwischen gesetzlichen Krankenkassen und der Pflegeversicherung seit Jahren verfestigt ist, Leistungen aus der einen Versicherung wegen der Krankheitsbilder unabdingbar auch Leistungen aus der anderen Kasse zur Folg haben. Warum sollten eigentlich die Pflegeversicherungen nicht mit den gesetzlichen Krankenversicherungen zusammen gelegt werden, fungieren die GKV (gesetzliche Krankenversicherungen) doch ohnehin schon seit Anbeginn der Pflegeversicherung als Treuhänder des Pflegeversicherungsvermögens und als Administrator der Einstufung und der Leistungserbringung.

Jetzt bietet sich im Rahmen einer vernünftigen Reform auch die Möglichkeit, die sog. niedrigschwelligen Angebote in den Leistungskatalog einzubeziehen. Eine gute Versorgung der Demenz-Erkrankten zuhause erspart den GKV und deren Versicherten-Gemeinschaften Kosten für Krankenhausaufenthalte und die ärztliche Behandlung der durch Pflege, Betreuung und Beschäftigung Demenz-Erkrankter völlig überforderten Angehörigen.

Und ein gutes Betreuungsangebot verschiebt den teuren Heimaufenthalt, der zwangsläufig kommen wird und muß - aber oft zu früh eingesetzt wird. Ausgleichszahlungen der GKV an die Pflegekassen entsprechen der ratio und der medizinischen und Versorgungs- Realität in diesem dramatischen Krankheitsfeld. Es darf nicht sein, dass sich die Kassen (Pflegeversicherung und gesetzliche KV's) immer wieder wechselseitig den schwarzen Peter zuschieben, die Betroffenen aber auf der "Strecke" bleiben. Vergessen wir nicht: in Deutschland leben bereits weit mehr als 1,8 Mio Demenz-Erkrankte, die Zahl wächst! Bald werden es über 2 Mio sein.
Die Kosten für die Gesundheitsversorgung, Pflege und Betreuung älterer und alter Menschen sprengen in Zukunft alle bisher prognostizierten Etats der Kassen; jetzt müssen daher in konzertierten Aktionen, angesichts der Überalterung unserer Gesellschaft und der wachsenden Zahl Demenz-Erkrankter, alle mit klarem Blick auf das Gebotene an einen Tisch, offen und konstruktiv, und dem Gemeinwohl verpflichtet, um praktikable Lösungen ringen, und notfalls mit gesetzlichen Regelungen gezwungen werden, nicht immer wieder Partikularinteressen vor eine volkswirtschaftlich gebotene, humanitäre und ,unter Einbeziehung von realistischen Eigenbeteiligungen, finanzierbare Reform zu stellen!

Die "Zeitbombe", auch und vor allem im humanitären Bereich, tickt hörbar!

ms (April 2006)
  

Aufwertung des Pflegeberufs ist überfällig

 
Viele, viel zu viele Pflegekräfte beklagen sich häufig über die großen Belastungen, die sich
aus der Pflege Demenz-Erkrankter ergeben. Die Pflegeausbildungsinhalte beschäftigen sich
nicht ausreichend mit der Betreuung von und der Beschäftigung mit Demenz-Erkrankten.
Dies ist bisher nicht Gegenstand der Ausbildungsverordnungen und der Lerninhalte.

In Heimen müssen sie dann erleben, dass die Mehrzahl der Heimbewohner nicht nur gepflegt
werden muß (Waschen, Ankleiden, Essen, Verabreichung von Medikamenten, gegebenenfalls
Anlegen und Auswechseln von Verbänden etc.). Nach fachlicher Definition des Begriffs
"Pflege" bedeutet in der Alltagsrealität, dass Pflegekräfte sich nur ca. 2 Stunden am Tag mit
dem Bewohner beschäftigen müssten, geht man von einem Durchschnittswert aus.

Nicht erst seit heute sind aber ca. 70% der Heimbewohner an einer Demenz erkrankt. Sie bedürfen sicherlich in unterschiedlichem Umfang Pflegeleistungen, da sie sich, je nach dem Stadium der Krankheit nicht mehr anziehen, nicht mehr selbst essen und sich nicht mehr orientieren und beschäftigen können.
Außerhalb dieser rein pflegerischen Hilfeleistungen durch die Pflegekräfte sitzen in der Mehrzahl der Heime Demenz-Erkrankte meist unbeschäftigt in ihren Stühlen, werden, wenn sie unruhig werden, nach ärztlicher Verordnung medikamentös sediert, also ruhig gestellt, in vielen Fällen auch mechanisch fixiert!

Pflegekräfte, die mit bestimmten Berufsidealen in ihre Tätigkeit gegangen sind, erleben dieses
schreckliche Szenario und verlassen enttäuscht oder erschrocken ihren Arbeitsplatz. Die Fluktuation in diesem Beruf enorm hoch!!

Es muß daher der Pflegeberuf gesellschaftlich aufgewertet werden, die Arbeitsbedingungen
verbessert, die Vergütungen erhöht und durch Zusatzausbildungen in Ergonomie,
Förderung musischer Fähigkeiten, Gymnastik, und psychologischen Elementen ergänzt werden.

Viele Pflegekräfte sind großen seelischen Belastungen ausgesetzt, leisten sehr viel und
Auch und erst Recht angesichts der wachsenden Zahl Demenz-Erkrankter bedürfen
der Unterstützung von uns allen, der Politiker, der Heimleitungen, der Kommunen und
der Bevölkerung. Der Pflegeberuf muß geachtet und gesamtgesellschaftlich hoch anerkannt werden. Die Leistungen der Pflegekräfte für unsere Gesellschaft und die Angehörigen der Erkrankten sind bewundernswert!

Michael Streicher
 

Jugend und Demenz-Erkrankte?
(Die Jugend mit den Demenz-Erkrankten zusammenführen)
 
Wir leben in einer bereits jetzt überalternden Gesellschaft. Jugend und Alter hatten schon immer ihre eigenen, unterschiedlichen Interessen und oft Probleme miteinander: die Älteren und Alten wissen alles besser - so die häufig verbreitete Meinung- , sie haben ihre eigenen Geschmäcker und wollen sie weitergeben, und meinen es ja nur gut, weil sie die Erfahrungen eines langen Lebens besitzen und die nächste oder übernächste Generation vor Fehlern bewahren wollen, um Lebenserfahrungen weiterzugeben; junge Menschen wollen aber selbstständig und unabhängig entscheiden und sich selbst nach ihrem eigenen "Strickmuster" entfalten und entwickeln, und ihre eigenen Erfahrungen "einsammeln". So war und ist es immer.

Es hat sich aber die gesamtgesellschaftliche Situation dramatisch verändert. Allein in Deutschland leben mehr als 1,8 Mio. Demenzerkrankte, ca. 75-8o % zuhause, die übrigen in Pflegeheimen. Der "tüttelige" Großvater, der hier und einmal etwas vergisst, oder die liebe Großmutter, die mal ihren Schlüssel nicht mehr so schnell auffindet, das gab es immer. Vergesslichkeit kann mit dem natürlichen Nachlassen der Gehirnleistungsfähigkeit im Alter zu tun haben, auch Ausfluss von Streß oder Depression sein.

Nun hat sich aber die Zahl der Demenzerkrankten, bei denen die Diagnose "Verdacht auf eine Demenz vom Alzheimer Typ", oder anderer Demenz-Erkrankungen mit fast 95%er Gewissheit bestätigt wurde und wird, zugenommen. Viele Angehörige ziehen sich, wenn sie die Veränderung bei den Verhaltensweisen eines demenzerkrankten Angehörigen feststellen, zurück, auch viele Freunde und Bekannte. Man hat Angst vor den Veränderungen in den Verhaltensweisen und der Persönlichkeitsstruktur der Erkrankten. Man weiß nicht, wie man mit den Betroffenen umgehen soll - denn dies lernt man als junger, nach vorne blickender und positiv denkender Mensch, nicht. Viele sind verunsichert und verängstigt.

Und dies ist für die Betroffenen, die ja noch weiterhin Empfindungen haben, Empfindungen für Freude, Gemeinsamkeit, Liebe und auch Schmerz, besonders bitter, sie fühlen sich, auch wenn sie es den fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung nicht mehr so klar ausdrücken können, isoliert und missachtet, ja alleine gelassen. Es sollten daher, auch wenn es schmerzhaft ist, um die Veränderungen bei der Persönlichkeit und der Ausdrucksweis- und Fähigkeit, auch bei zunehmender Hilfebedürftigkeit zu sehen und zu erleben, junge Menschen, auch wenn es keine Familienmitglieder sind, an die Betroffenen herangeführt werden.

Kinder und Enkel sollten, wenn der/die Erkrankte in einem Pflegeheim lebt, häufig dort hingehen und spazieren gehen, oder einfach dabei sein.

Da der Zivildienst weitgehend abgeschafft ist, sollte angesichts der wachsenden Zahl Demenzerkrankter für junge Männer wie auch junge Frauen ein halbes soziales Jahr oder für 3 Monate eingeführt werden, zur Unterstützung der Demenz-Erkrankten in Heimen oder zuhause. Die soll kein Appell für die Einführung eines "Arbeitsdienstes" sein, sondern ein Appell an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung aller für die wachsende Zahl der Demenz-Erkrankten. Alt und jung, gerade in diesem dramatischen Bereich, müssen zusammengeführt werden! Auch damit die Jüngeren begreifen, dass das Leben nicht nur aus Freude und Spaß, die jeder ja haben soll, besteht. Demenz-Erkrankte sind für jede liebe Geste und Nähe dankbar, wie jede Oma; oder gesunde Opa, Vater oder die Mutter, sie empfinden Wärme und Zuneigung sehr wohl, trotz der Krankheit.

Motivieren Sie daher, sich selbst oder Ihre Verwandten, die Nähe zu der/dem Erkrankten zu suchen. Auch und gerade Jugendliche sollten, wenn es zeitlich möglich ist, bei den Erkrankten sein. Dies ist auch eine gute Schule für die Wahrnehmung von Verantwortung in der Familie für viele junge Menschen.

Leben für Demenzerkrankte:
Der regelmäßige Kontakt zu Tieren läßt Demenzkranke aufleben
von Sonja Kastilan aus "Die Welt" vom 29.11.2005

Wissenschaftler entdecken Haustiere jetzt als Allround-Heilmittel. Einige Studien haben bereits festgestellt, daß der Tierbesitz offenbar das Risiko für Herzinfarkt senkt sowie für Asthma und Allergien bei kleinen Kindern. Auch die Besuche beim Hausarzt reduzieren sich. Nun finden neue Untersuchungen weitere Zusammenhänge: So sind Kinder, die
in einem Haushalt mit Tieren leben, weniger krank und schwänzen auch seltener die Schule. Im aktuellen "British Medical Journal" suchen Forscher nach Erklärungen für diese positiven Effekte. Sie machen unter anderem die soziale und emotionale Unterstützung dafür
verantwortlich - ähnlich wie sich menschliche Beziehungen wohltuend auf die Gesundheit auswirken. Allerdings verstehen Menschen ihre Haustiere nicht als Heilmittel, obwohl sie die Beziehung schätzen und als Bereicherung für ihre Lebensqualität ansehen.

Allerdings kann es auch zu Konflikten zwischen Tier und Gesundheit kommen, wenn Menschen aufgrund von Allergien die Tierhaltung aufgeben müssen. Oder wenn Ältere medizinische Betreuung ablehnen aus Angst, ins Krankenhaus oder Pflegeheim zu müssen und dann ihren vierbeinigen Lebensgefährten zurückzulassen.

Aber gerade alte und demente Menschen können vom regelmäßigen Kontakt zu Tieren profitieren. Inwieweit ihre körperliche und geistige Gesundheit verbessert wird, untersuchen derzeit Forscher an der Universität in Bremen. Drei Monate lang begleiten die Wissenschaftler vom Institut für angewandte Pflegeforschung die Bewohner eines Altenheims, die Meerschweinchen und Kaninchen betreuen: Zweimal wöchentlich können sie in Einzel- und Gruppenstunden die Tiere streicheln, füttern und mit ihnen schmusen.

Nach Angaben der Biologin Cornelia Dress wirkt dieser Kontakt besonders belebend auf Menschen, die früher bereits Tiere besaßen. Selbst in der Grobmotorik behinderte Patienten schafften es, die Meerschweinchen und Kaninchen mit kleinen Salatblättern zu füttern. Die Wissenschaftler wollen unter anderem soziale Auswirkungen systematisch untersuchen. Zudem fragen sie nach Wirkungen auf den Körper und das seelische Wohlbefinden.

Auch wollen die Bremer Forscher feststellen, ob sich Tierkontakte reibungslos in den Heimalltag einfügen lassen. Konkret gehen die Forscher zum Beispiel der Annahme nach, daß der Kontakt zu den Tieren manche Defizite des Altenheimalltags kompensieren hilft. Dazu zählt
nach Angaben von Studienleiter Stefan Görres das Bedürfnis nach emotionaler Ansprache. Untersuchungen zufolge beschränkt sich der tatsächliche Kontakt zwischen Heimbewohnern und Pflegepersonal auf 20 Minuten am Tag.

Eine besondere Wirkung könnte der Kleintierbesuch auf Demenzkranke haben: Vielleicht würden sie dadurch ansprechbarer, vermutet Görres. Üblicherweise seien die Kranken oft sehr schwer zugänglich und zögen sich zurück. Um sie zu erreichen, fehlt es den Pflegern vielfach an den richtigen Methoden.

Artikel erschienen am Di, 29. November 2005

KurzmeldungenAKTUELL

Altern in Würde -
auch mit einer Demenz?

von Michael Georg Streicher

Wie geht unsere Gesellschaft mit den mittlerweile fast 1,8 Mio Demenzerkrankten um? Gilt das Grundrecht auf Achtung der Menschenwürde auch für Demenz-Erkrankte?

[bitte lesen Sie weiter]


Neue Broschüre " Alzheimer und Ethik Teil I"
(Herausgeber Michael Georg Streicher)

In der Reihe "Alzheimer und Hilfen" der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. ist ein neues Heft "Alzheimer und Ethik" erschienen. Das Heft enthält ausgewählte Artikel zu ethischen Überlegungen und zur ethischen Orientierung bei der künstlichen Ernährung durch "percutane endoskopische Gastrostomie" (PEG-Sonden).Verfasser sind Professor Dr. Ulrich Eibach, Bonn, sowie Professor Dr. Klaus Zwirner, Saarbrücken

[zur Bestellmöglichkeit]


Neu: Dokumentation "Sinn-volle Wege aus dem Labyrinth der Demenz"
Vorwort und Einführung: Dr. Christiane Bahr, Salzburg

 
Ein sehr lesenswertes Kompendium der Ergebnisse der 2. Salzburger Gerontologie Gespräche. (In einer immer älter werdenden Gesellschaft sind wir alle gefordert, in dem
fast alle Lebensbereiche erfassenden Strukturwandel besonders den Demenz-Erkrankten mit neuen Konzepten, Strategien und Ideen ein menschenwürdiges Leben zu sichern) Hrsg. Bildungszentrum St. Virgil, A 5026 Salzburg, Ernst-Grein-Straße 14
 

Rheinland Pfalz will die "Pflegebürokratie" entschlacken:
 
Die Landesregierung will die Pflegedokumentationen vereinfachen und die Pflegekräfte von Verwaltungstätigkeiten entlasten, damit mehr Zeit für die Heimbewohner zur Verfügung steht.
Die Vereinfachungsvorschläge seien zwar nicht bindend, wären aber sehr geeignet, den Pflegekräften einen erheblichen Teil der pflegefremden Aufgaben abzunehmen, ohne damit die Qualität der vorgeschriebenen Dokumentation zu beeinträchtigen.

(Kommentar: ein sehr guter Ansatz, der viele Nachahmer finden sollte!)


Bundesstadt Bonn:
Neu: Im Amt für Soziales und Wohnen ist eine neue Sachgruppe "Hilfe zur Pflege" eingerichtet worden., in der die Gewährung von Hilfe zur Pflege in der häuslichen Umgebung (nicht in Einrichtungen) und gfls. notwendige zusätzliche Hilfe zum Lebensunterhalt bearbeitet wird. Ansprechpartnerinnen sind Frau Ebert (unter Tel. 77 4938) und die Sachgruppen leiterin Frau Lüdtke (Tel. 77 4739). Die Dienststelle befindet sich in der Hans-Böckler-Str. 5 in Bonn-Beuel. Die Büros befinden sich in der 3. Etage (Zi. 315 u. 318).


"Demenz wird Volkskrankheit"

Nach einer Meldung von dpa (in "Die Welt" vom 10.01.2005) prognostizierte Mathias Berger vom Universitätsklinikum Freiburg auf einem Kongreß der Bundesärztekammer in Berlin, daß jeder vierte Deutsche Experten zufolge einmal Symptome einer Demenz entwickeln würde. Im Jahr 2040 müßten allein für Demenzerkrankungen wie Alzheimer die gesamten Gesundheitskosten des Jahres 2000 aufgewendet werden.


Haftpflichtversicherung:
 
Üblicherweise hat jede Familie eine private Haftpflichtversicherung als Familienversicherung. Einige Versicherungsgesellschaften vertreten die Auffassung, dass der Versicherungsschutz für das Mitglied nicht mehr gilt, wenn die/der Betreffende nicht mehr im Haushalt, sondern in einem Pflegeheim lebt.
Fragen Sie daher vor einem Umzug in ein Pflegeheim bei Ihrer Versicherungsgesellschaft unbedingt nach und lassen Sie sich den Versicherungsschutz schriftlich bestätigen.




Der Rosenkavalier


Literaturhinweis:
Lesenswert: "Demenzkranke Menschen pflegen"
Grundlagen, Strategien und Konzepte, Sven Lind
1. Auflage 2003 Verlag Hans Huber, Bern

Unser Kommentar: Ein hervorragend geschriebenes, übersichtliches Buch über die Symptome der Krankheit, den Umgang mit den Erkrankten, verschiedene Konzepte und Ansätze in der Praxis mit sehr hilfreichen Anregungen und Vorschlägen. Der sehr sachkundige Autor hat die Sprache gefunden, durch die auch Laien das komplexe Gebiet der Demenz mit all ihren Folgen verständlich wird.
 
M.Streicher
 

 Angehörigen- Schulung:

Die Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. wird im Herbst, mit Unterstützung der Barmer- Pflegekasse, die Seminar-Reihe "Hilfe beim Helfen" fortsetzen. Die Bundesstadt Bonn wird dabei helfen, ebenso die erfahrenen Referenten, die sehr wissen, wie und was notwendig ist, um Hilfen vor Ort zu geben.
Die Bürgerstiftung Bonn, die die Sparkasse Köln/Bonn auch zu ihren Förderen zählen kann, wird mit dem Bürgerpreis, der der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. verliehen wurde, dazu beitragen.
ms
 

 
 

Johnson&Johnson: Studien zu Todesfällen bei Alzheimer-Patienten !

Laut einer Meldung des Dow Jones Newswires vom 24.01.2005 sei nach zwei klinischen Studien von Johnson&Johnson Research über eine erhöhte Sterblichkeit bei Patienten mit lediglich leichter geistiger Beeinträchtigung berichtet worden, denen das Alzheimer-Mittel Reminyl verabreicht worden sei. Von 2000 Patienten seien 20 aus unterschiedlichen Gründen gestorben, davon 15 in der mit dem Mittel Reminyl behandelnden Gruppe.

Reminyl sei in derzeit 69 Ländern zur Behandlung von "leichten bis mittleren" Alzheimer-Erkrankungen zugelassen. Johnson&Johnson ist der Hersteller.


"Reminyl (Galantamin) bei leichten kognitiven Störungen erhöhte Sterblichkeit?"
(Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft informiert) Galantamin (Reminyl) ist ein Acetylcholinesterasehemmer (ACEH); das Präparat wird in Deutschland von Janssen-Cilag vertrieben.
Bei Patienten mit Alzheimer- oder anderer Demenz zeigten aus mehreren Studien zusammengefasste Daten eine erhöhte Sterblichkeitsrate in der Placedogruppe (kardiovaskuläre Krankheiten, z.B. Myokardinfarkt, Apoplex)
 
[ Lesen Sie hier weiter ]

 
 Gesetzliche Haft- und Unfall-
versicherung für Ehrenamtliche

 
Das Land NRW übernimmt die Kosten für eine gesetzliche Haft- und Unfallversicherung für ehrenamtlich Tätige. Dies betrifft nicht diejenigen, die bereits über ihre Organisationen (z.B. Sportvereine, kirchliche und soziale Organisationen) versichert sind. Begünstigt sind insbesonders kleinere Initiativen und Gruppen.
 
Ehrenamtlich Tätige brauchen sich erst im Schadensfall bei der gesetzlichen Versicherung melden.
 
 

März 2004: "Brandbrief": Warnhinweis bei RISPERDAL durch den Hersteller: Pharmafirma Janssen-Cilag GmbH - Wirkstoff: Risperidon
 
In einem "Brandbrief" an die Ärzte gibt der Hersteller Cilag-Janssen Warnhinweise und "ergänzt "Warnhinweise und Vorsichtsnaßnahmen für die Anwendung bei älteren Menschen mit Demenz":
 
Darin heißt es:
"In plazebo-Kontrollierten Studien bei älteren Patienten mit Demenz war die Inzidenz von zerebrovaskulären Ereignissen einschließlich Insult (auch mit Todesfolge) und transistorischen ischämischen Attacken (TIA) bei den mit RISPERDAL behandelten Patienten signifikant höher als im Vergleich zu den Patienten, die Plazebo erhielten (mittleres Alter 85 Jahre; Altersspanne 73-97 Jahre).
 
Weiter heißt es: " Vom behandenden Arzt sind die Patienten bzw. deren Betreuer darauf hinzuweisen, dass sie Anzeichen von Erschlaffung, Taubheit im Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- und Sehstörungen unverzüglich berichten sollen. Ohne Verzug sind alle Behandlungsmöglichkeiten einschließlich Abbruch der Therapie abzuwägen".
 

[siehe auch Medizin] [mehr]

 
  
Arbeitskreis "Betreuungsrecht" der
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.

 
Auf vielfachen Wunsch wird der neu gebildete Arbeitskreis "Betreuungsrecht" der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V. im neuen Jahr einen Grundkurs Betreuungsrecht an 4-5 Abenden anbieten.
Er richtet sich an Betreuer sowie interessierte Bürger.
 
Neben einer Einführung werden die Aufgabengebiete ("Wirkungskreise") Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Vermögenssorge Themenschwerpunkte des Grundkurses, der mit einem Teilnehmerzertifikat endet.
 
Interessenten melden sich bitte schon jetzt an.
[Adresse hier]
 
Sie erhalten rechtzeitig im neuen Jahr die notwendigen Kursinformationen.
[Arbeitskreise]
 
 
 
 Mehr Information und Beratung für Angehörige von Demenz-Erkrankten!

- Schulung von Angehörigen zum besseren Umgang mit der Krankheit und den Erkrankten -
 
 

 
Wie bei vielen anderen Krankheiten auch, haben Betroffene nicht plötzlich "von heute auf Morgen" Alzheimer oder eine andere Demenz-Erkrankung. Die Krankheit, die viele Jahre klinisch stumm ist, also in den Betroffenen "ruht", bevor sie sich durch verschiedene Symptome bemerkbar macht, verunsichert und verängstigt natürlich in erster Linie die unmittelbar Betroffenen, macht aber auch die mit ihnen lebenden Angehörigen unsicher und zunehmend Rat und Hilfe suchender. Viele lokale Alzheimer-Gesellschaften und Gruppen bieten wertvolle Informationen in Angehörigen-Gruppen an. Das Angebot an Broschüren von verschiedenen Organisationen und auch Firmen ist mittlerweile derart umfangreich, dass sich viele überfordert fühlen, zumal sie im Alltag, der ja durch die zunehmenden Defizite bei den Erkrankten, durch Sorge und Ängste geprägt ist, kaum Zeit zum Lesen finden und sich neben dem täglichen Erleben der Erkrankung auch noch mit dem - erschreckenden - theoretischen Wissen befassen wollen.

[Lesen Sie hier weiter]
 

 
 Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.Angehörigen- Gruppen
der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V., zusammen mit anderen Trägern:
 
  
Aussprache, Information, Hilfen - sind die Angebote der informellen Treffen, die jedem Interessierten und Betroffenen offen stehen; eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
 
 
 
 
Die aktuellen Forschungsmeldungen:

 
Medizin: Wachstum von Nervenzellen

Ein bestimmter Stoff fördert im Gehirn das Wachstum von Nervenzellen. Dabei unterstützt dieser Transkriptionsfaktor Pax6 besonders die Bildung von Nervenzellen, die Dopamin als Botenstoff nutzen. Dies könnte ein Ansatz für neue Therapien gegen die Parkinsonkrankheit bilden, bei der solche Nervenzellen absterben, vermuten Entwicklungsbiologen der Universität München. Im Gehirn ausgewachsener Säugetiere werden kaum noch Nervenzellen neu gebildet, nur in zwei kleinen Bereichen des Vorderhirns.
(Artikel erschienen in "Welt" am 13. 02. 2006)

Anmerkung: Möglicherweise könnte hier auch eine Chance zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit liegen? M.S. 


  [zum Archiv]
 
Literaturhinweis:
Empfehlenswerte Lektüre im Kontext Pflegeheime, Psychiatrie etc.:
"Fixierung erregter Personen -
Todesfälle in Klinik und Gewahrsam"

(Restraints of Excited Persons- Sudden Death in
Hospital and Custody)
Hrsg. Klaus Steffen Saternus u. Gerhard Kernbach-Wighton
Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck
 
Das Buch beleuchtet anhand zahlreicher Fallbeispiele die Folgen, die Fixierungen wie z.B. Rumpf- und Gliedmaßengurte in der (Geronto-)Psychiatrie nach sich ziehen können. Der Verlag schreibt hierzu:
"Eine interdisziplinäre Experten-Tagung in Göttingen, bei der sowohl praktisch-forensische als auch klinische Fragen zur Sprache kamen, ist Ausgangspunkt dieses Werkes. Wertvolle Fortbildungslektüre nicht nur für Ärzte, sondern auch für alle Berufsgruppen im Kontext Altenpflege und Psychiatrie."

Anmerkung:
Es ist bekannt, daß in Pflegeheimen und psychiatrischen Kliniken häufig mechanisch und medikamentös fixiert und "sediert" wird. Demenzkranke, die "agil", also sehr unruhig, oder gar aggressiv sind, werden, ohne daß andere, weit minderschwere Maßnahmen oder Hilfen (Spazierengehen, Beschäftigung, Beruhigung durch ruhige Worte etc.) als absolut vorrangig in Erwägung gezogen und ausprobiert werden (häufiges Argument: Personalmangel), auf vielfältige Weise ruhig gestellt. Wir weisen auch auf unsere Broschüren > Alzheimer und Recht I und II und > Alzheimer und Medikamente hin. Das Werk gibt hoffentlich einen Anstoß für ein breites Nachdenken über diesen meist inhumanen Umgang mit den, durch die Krankheit immer hilfloser werdenden, Demenz-Erkrankten.

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