Oktober 2003
ALZHEIMER  Gesellschaft  Bonn e.V.
Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.
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Alzheimer und Medikamente

Vielfach liest man in Werbungen und Broschüren u.a. der Pharmaindustrie, des Apothekerverbandes in Zusammenwirken mit Verbänden und Pharmafirmen, in "offiziellen Ratgebern" zum Umgang mit der Krankheit von "medikamentösen Therapien", "medikamentöser gerontopsychiatrischer Therapie", von Neuroleptika, Psychopharmaka und den sog. Atypika (einer sog. "neuen Generation von Neuroleptika"). Kaum ein pflegender und betreuender Angehöriger kann mit dieser Vielfalt an Informationen etwas anfangen!
 
Einzelne Ärzte und Organisationen, auch bundesweit aktive
, empfehlen mit bemerkenswerten Begründungen den Einsatz dieser Wirkstoffe bei Alzheimer-Patienten, bezeichnen deren Einsatz sogar vereinzelt als eine wesentliche Säule bei der "Behandlung der Krankheit".
 
Es gibt zur Zeit aber keinen einzigen Wirkstoff ( kein Medikament), welcher die Krankheit aufhalten, geschweige denn heilen kann. Die Alzheimer- Krankheit ist leider heute immer noch unheilbar!
 
Lediglich wenige Wirkstoffe, die sogenannten Antidementiva (ACEH's, Memantine, Galantamine) können den Verlauf der Krankheit, in früheren oder mittleren Stadien eingesetzt, verzögern, und dies auch nur für eine sehr begrenzte Zeit (> Broschüre "Alzheimer und Medikamente" der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.).
  
Neuroleptika wurden ursprünglich zur Behandlung von Patienten mit sog. "endogenen Psychosen", also Formen der Schizophrenie, eingesetzt.
  
Zunehmend werden sie aber in unterschiedlicher Dosierung und mit unterschiedlicher Anwendungsdauer auch in Kliniken, psychiatrischen Krankenhäusern und auch Pflegeheimen Alzheimer-Kranken verordnet und bei ihnen eingesetzt, obwohl sie für diesen Patientenkreis nicht konzipiert waren. Offenkundig sind sie deshalb so "beliebt", weil sie die Patienten pflegeleicht machen und den Personalaufwand bei der Pflege und Betreuung reduzieren, damit "Kosten sparen" helfen sollen. (vgl. auch "Alzheimer und Medikamente" der Alzheimer Gesellschaft Bonn e.V.).
  
Mit diesem ersten Bericht werden wir beginnen, über die gebräuchlichsten Neuroleptika (Atypika), deren Charakteristika, über Empfehlungen von Ärzten und Organisationen in vielfältigen Publikationen und über viele, äußerst ernst zu nehmende, Warnhinweise berichten- und uns sehr kritisch mit dem Umgang dieser Wirkstoffe bei Alzheimer-Kranken befassen.
   
Begriffserläuterung und
Forschungsmeldung Teil 1.:

 
Eine erste Definition gibt das anerkannte Lexikon der Medizin Zetkin-Schaldach her:
 
Neuroleptika
 
Zetkin-Schaldach, Lexikon der Medizin (der "Pschyrembel" der früheren DDR):

 
"Neuroleptika: Antipsychotika; Pharmakongruppe, die zu den Psychopharmaka gehört. Herabsetzung der psych. Reaktivität bei Erhaltung der Wahrnehmung u. des Bewusstseins. Dämpfung der Affektivität, Sedierung ohne hypnot.- narkot. Wirkung. Unterdrückung von Wahnideeen, Verminderung von Aggressivitt u. Angstgefühlen. Zur Behandlung von Psychosen, dadurch werden Patienten kontaktfähiger. Übergang von stationärer zu ambulanter Behandlung mögl. Beeinflussung von Vegetativum u. Motorik. Wirkungsmechanismus: Hemmung der Impulse, die über die sens. Afferenzen in die Formatio reticularis gelangen. Nebenwirkungen: Hemmung des extrapyramidalen Systems (Parkinson-Syndrom), Blutdrucksenkung, Tachykardie, Schwitzen, Schwindel, Hypothermie. Senkung des Sympathikotonus".
 
Eine Forschungsmeldung zur Schizophrenie und manisch-depressiven Störungen:
 
Die Zeitung "Die Welt" berichtet in ihrer Ausgabe vom 06.09.03 über eine Entdeckung eines britischen Forscherteams:
 
Patienten mit Schizophrenie und manisch-depressiven Störungen litten an gleichen genetischen Defekten. Das Forscherteam habe das Genprofil von Patienten mit dem von gesunden verglichen. Bei beiden Krankheiten sei die Produktion von Myelin, der Isolationsschicht für Nervenzellen, gestört.
 
Schizophrenie und die bipolare affektive Störung, wie die manisch-depressive Störung auch genannt wird, gehörten zu den häufigsten psychischen Krankheiten. Auch wenn Umweltfaktoren als Hauptauslöser betrachtet würden, treten die Störungen nur auf, wenn eine Veranlagung vorliegt. Sabine Bahn von der Universität Cambridge und ihre Kollegen hätten diese Art der Disposition aufklären können. Die Forscher hätten bei jeweils 15 schizophrenen, manisch-depressiven und gesunden Patienten untersucht, welche Gene aktiv und welche ausgeschaltet waren. Der Vergleich habe gezeigt, dass in allen Gehirnen der Kranken die Gruppe von Genen weniger aktiv waren, die für die Myelin-Bildung verantwortlich sind und für eine sichere Weiterleitung elektrischen Nervenimpulse verantwortlich ist.
 
Forts. folgt.